Und sie singen doch!

Die Frauen.
Gordela ist eine georgische Frauenband, die ausschliesslich traditionelle Instrumente benutzt. Im 2007, damals Studentinnen verschiedener Fakultäten der staatlichen Universität, haben sie sich zusammengetan. Sie singen traditionelle Lieder, wobei sie auch nach neuen Kombinationen suchen: Englisch reinnehmen und einen Jodel dazu, die Handtrommel afrikanisch tönen lassen etc.. Hör selber. Die Jodeleinlage kommt am Schluss!

Hier sind wir auf dem Lande, in Mirzaani, Kachetien, Ostgeorgien.  Kulturfestival Art Gene. Das ganze Setting erinnert mich an Westafrika: Unter Bäumen, spontane Tanzeinlagen der Zuschauer… super. Musik und Tanz unterscheiden sich jedoch klar von Afrika.

Und hier Nino Bascharuli,  ihre Stimme gefällt mir sehr:

Dieser Teil gehört eigentlich unter den unten stehenden „Wir singen!“.

Ich habe mir sagen lassen, dass hier an jedem Fest, wenn der Wein die Sinne gut gelöst hat, gesungen wird. Ob die Frauen auch singen? Fragte ich. -Nein. Die Frauen bringen ihre Männer nach Hause, wenn diese vor lauter Alkohol den eigenen Puls verloren haben. Und wenn diese am Morgen mit einem Kater und stinkend wie ein Weinkeller aufwachen, bringen sie diesen Bier, damit sie wieder ins Leben zurückkehren. Zumindest sei das vor 10 Jahren so gewesen. Wie sich das heute genau abspielt, konnte ich noch nicht eruieren.
Nun, das hier sind junge Männer, die sich glaub am Ende des Abends irgendwie selber nach Hause bringen müssen:

Hier ist das Geschehen schon einiges weiter fortgeschritten und um so ergreifender…

Das Lied heisst „Lamaso Sakartvelo“, Schönes Georgien.

 

 

 

 

 

 

Wir singen!

Die  Männer, meine ich.
2001 wurde der georgische Gesang in die erste UNESCO-Liste der „Meisterwerke des mündlichen und immatriellen Erbes der Menschheit“ aufgenommen. Das Lied „Tschakrulo“ aus Kachetien, Ostgeorgien, hier als Paradebeispiel. Aufgenommen im Konzertsaal des Konservatoriums in Tiflis.
(Neuerdings ermöglicht die Software, dass Videos direkt in den Blog kopiert werden können. Also: Auf den Pfeil in der Bildmitte klicken, und los geht’s!).

Polyphonie bedeutet, dass eine Komposition mindestens zwei unabhängige Stimmen vorweisen muss. In Georgien sind es meist drei, die Region Gurien, Westgeorgien, ist bekannt für ihre 4-stimmige Polyphonie. Am Gesang in Georgien gefällt mir besonders, dass er in der Bevölkerung durch alle Generationen verankert ist. Hier ein schönes Beispiel eines jungen Mannes, der voller Innerlichkeit sein Solo wiedergibt.

Das Lied heisst „Die zu spät Gekommenen“.

 

 

 

 

Noch kein Licht

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Im Zentrum, hier die Rustaveli Avenue, ist die Weihnachtsbeleuchtung montiert – nur leuchten tut sie noch nicht. Weihnachten ist hier erst am 6./7. Januar. Ich habe noch nicht herausgefunden wann es zu leuchten beginnen soll, ob es dieses Jahr spezielle Sparmassnahmen gibt, oder wie das überhaupt geht. In den Läden ist von Weihnachten und Weihnachtszeit fast nichts zu spüren, was ich ganz angenehm finde.

Gestern waren wir beim Goethe Institut zur St. Nikolausfeier. Es gab Glühwein, Salzbrezel, Kartoffelsalat und Deutsche Grillwurst. Einen guten Grättimaa hätte ich mir gewünscht! Und der Samichlaus kam auch nicht, dafür Discomusik von DJ Rambo. Viele Jugendliche besuchen am Goethe Institut Deutschkurse, um den hohen sprachlichen Ansprüchen der Deutschen Unis zu genügen. Selbst wer einen Studiengang besuchen will, der rein auf Englisch durchgeführt wird, muss fliessend Deutsch können.

Outdoor

Bei uns ist immer noch Herbst. Gestern Abend war starker Wind, die gelben Blätter haben darin getanzt dass die Fetzen flogen.

Vor zwei Wochen waren wir zu einem Geburtstag eingeladen.

20151115124958Meine Georgischlehrerin von letztem Jahr, Irma, Bildmitte, mag es ihren Geburtstag draussen zu feiern. Sie macht das jedes Jahr. Auf dem Weg zur berühmten Kreuzkirche bei Mzcheta (Hauptstadt des Iberischen Reiches bis 6. Jhdt.) liegt versteckt ein hübscher See. Dort waren wir. 20 Minuten Autofahrt von zuhause.

Im Hintergrund die Kreuzkirche.

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Es scheint mir, auf der ganzen Welt ist es Tradition, dass die Männer sich ums Fleisch kümmern. Die Fleischspiesse heissen hier Mzwadi und sind Hauptbestandteil jeder Grillfeier.

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Mit Wasser oder Kirschensaft wird das Fleisch auf dem Feuer begossen, und somit werden auch die Flammen gelöscht, die das Fleisch verbrennen könnten. Ob Schwein, Rind, Kalb oder Lamm, das hängt allein von der Vorliebe der Grillierenden ab.

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Mzwadi wird mit Zwiebelringen serviert und mit traditionellem Fladenbrot und Salaten gegessen

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In der grossen Guttere rechts ist der Hauswein, frisch von der neuen Ernte. Also mir hat er gegen die Kälte nicht geholfen

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Im Hintergrund die koreanische Familie, ebenfalls ehemalige Georgischschüler von Irma. Sie sind schon fünf Jahre da und haben zwei kleine Zwillinge. Die koreanische Gemeinde in Tiflis umfasst um die 150 Leute

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Prost!

Schön wars. Später haben wir am Feuer georgische Maroni gebraten (sehr feine Konsistenz) und einige Leute hatten schöne Stimmen, mit der sie die Guitarre begleiteten, die man ganz oben auf einem Bild sieht. Obwohl es sonniges Wetter war, waren wir zünftig durchgefroren bis wir nach Hause gingen

 

 

Gerne verkünde ich,

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dass ich ab Dezember 80% arbeiten werde und mich somit am Freitag wieder anderen Dingen widmen kann. Jupii!

Für regelmässige BesucherInnen: Den Beitrag der Tbilisoba habe ich erweitert. Warum die neuen Bilder so gross gezeigt werden, weiss ich auch nicht. Ob das jetzt immer so sein wird? Vielleicht ist das dem letzten Update der Software zu verdanken. Wäre toll

Tbilisoba

Jedes Jahr im Oktober findet in Tiflis die Tbilisoba statt. Früher war das ein zweitägiges Fest, an welchem die Bauern Trauben und andere Saisonfrüchte und -Gemüse anboten. Dazu kamen traditionelle Volkstänze und -Gesänge, und natürlich genug zu Essen und zu Trinken. Im Wandel der letzten zehn Jahre sind die saisonalen landwirtschaftlichen Erzeugnisse weggefallen, geblieben sind kulturelle Darbietungen und die Verköstigung.

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Blick auf den Teil des modernen Festgeländes

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Das krokodilartige Dach gehört zur neuen Brücke, die vor ein paar Jahren gebaut wurde. Trotz vieler Proteste der Bevölkerung wurde der moderne Stil durchgesetzt

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Ein Spiel, das mir noch nicht geläufig war

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Übergang zur Altstadt

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Eine Kutschenfahrt gefällig?

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Die international renommierte Gesangs- und Tanzgruppe „Erisioni“.

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In Georgien gibt es 12 verschiedene Stile des traditionellen polyphonen Gesangs. Es gibt schon in vorchristlicher Zeit (ab dem 8. Jhd.) Kommentare zur georgischen Polyphonie. Weiterentwickelt haben sich die versch. Stile vor allem mit der Kirchenmusik, auch die georgischen Krieger haben den Gesang für sich genutzt. In Gurien, Süd-Westgeorgien, wird eine sehr archaische Form des Jodels gepflegt. Klicke auf den folgenden Link, dann hörst du ihn https://youtu.be/j1PpyDkj54U.Hier noch zwei Videos der Tbilisoba, georgische Polyphonie https://youtu.be/Zu9evki1cME und Volkstänze aus der Bergregion Kazbegi https://youtu.be/bos_gyP2pKM

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Auch der Dudelsack taucht manchmal auf

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Tänze mit solchen Kostümen sind eine Referenz an die Kinto des 19., Anfang 20. Jhdts in Tiflis. Sie waren Händler oder Leute, die sich mit Stehlen und/oder als Gaukler in Restaurants durchschlugen. Diese Tänze sind leicht, schnell und quirlig

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Kinto, Anfangs 20. Jhdt, Tiflis (Wikipedia)

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Hochzeitstanz.
Die weissen oder schwarzen Mäntel mit Patronen über der Brust, waren früher die Kittel der Edelmänner. Noch heute gibt es einen Verein, dessen Mitglieder nur solche Kleider tragen.

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Wir sind hier im Quartier Maidani, der heissen kohlesäurehaltigen Schwefelbäder. Die Kuppeln, die hinter den Leuten zu sehen sind, gehören zu den Einzelbädern, die man mieten kann.

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König Wachtang Gorgasali (der Wolfskopf), hoch oben auf dem Pferd mit erhobener Hand, Begründer von Tbilisi/Tiflis (479 n. Chr.). Als Gorgasali im damaligen Gebiet des heutigen Tiflis auf der Jagd einen Fasan erlegte, war dieser vom sprudelnden heissen Wasser bereits gekocht, als er von den Vasallen eingesammelt wurde. Laut dieser Legende hat Gorgasali daraufhin beschlossen, an diesem Ort seine Stadt zu gründen. Er nannte sie Tbilisi (tbili=warm).

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Die amerikanische und türkische Blasmusik waren zu freundschaftlichem gemeinsamem Spiel mit der Georgischen eingeladen

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Typische alte Häuser mit grossen Balkonen und Lauben. Leider in eher wackligem Zustand

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Durchgefroren aber glücklich kamen wir nach einem langen Nachmittag ins warme Zuhause zurück

 

 

Abstimmungsunterlagen, Nirwana

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Wahlunterlagen sind etwas sehr seriöses und wer von ihnen Gebrauch macht, auch. In der Regel. Nun, für die letzten Wahlen im Oktober fühlte ich mich noch nicht wirklich bereit und ich fand es nicht so tragisch, dass ich keine entsprechenden Unterlagen erhielt. Auch war mir nicht klar, wie das Prozedere für Auslandschweizer hier in Georgien geht. Da im November bereits wieder Wahlen angesagt sind, habe ich bei der Botschaft mal freundlich nachgefragt. Zuerst keine Antwort. Dann von Zürich die Bestätigung an die Botschaft, dass Wahlunterlagen an meine Adresse in Tiflis versandt wurden. Mit normaler Post. Eiiii, sind sie so naiv? Hier kommt keine Post an, die nicht eingeschrieben ist.

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Vielleicht bin ich hier die einzige angemeldete Schweizerin? Oder Zürich hat einfach noch keine Erfahrungen. Ich werde dazu bald mehr wissen, denn ich fragte, wie mein Fall nun weiter bearbeitet wird.

In Tiflis gibt gibt es keine öffentliche Post. Im unabhängigen Georgien ist das Pöstlertum verschwunden. Unter russischer Staatsorganisation bekamen die Leute morgens ihre Zeitung ins Haus und es war üblich, verschiedene Zeitschriftenabos zu haben. Das hat sich alles verflüchtigt. Stromrechnungen etc. werden im Hauseingang als Zettel in irgendwelche Ritzen gesteckt und die Nachbarn bringen einander die Rechnungen hoch. Darum arbeiten die Ämter per sms und sollte mal eine Rechnung nicht angekommen sein, gibt es ja die famosen Automaten, die ich bereits mal vorgestellt habe. Dort kann man jederzeit nachschauen, was es grad zu bezahlen gäbe. Wenn man das nicht macht, merkt man spätestens am sich abtauenden Kühlschrank, dass da was fällig gewesen wäre… diesen Sommer selbst erlebt 😉

Traubenpergola zur Strasse hin

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Jpeg
An keiner Strasse hab ich bisher so viele Reben gesehen wie an der Lvovistrasse. Sie ist ganz in der Nähe bei uns, die Deutsche Schule ist auch grad dort.

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Am Ernten

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Reben mit Palmen gemischt

Jpeg

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Ein Kindergarten an der Lvovistrasse, es gib davon mindestens noch zwei mehr innerhalb von ein paar hundert Metern. Hier sind glaub alle Kindergärten privat.

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Schönes Rostgemälde

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Herbstblumenverkauf an der Pekinistrasse