Immer wenn sich so ein drahtiger kleiner Lada durch den Verkehr boxt, wird mir warm ums Herz. Der Komfort in diesen Autos muss etwas so sein wie beim Döschwo vom Nussbi, meiner Kindergärtnerin von anno dazumal. Gefragt nach meinem Lieblingsauto sag ich noch heute Döschwo, obwohl das ziemlich hart war zum sitzen. Die Federn die ich durch die Sitze spürte sind mir noch gut präsent, diese Fahrt war unvergesslich!
Hier sieht man meine Lada-Nostalgie ganz klar als die verquere Sichtweise einer Westlerin. Ein Lada ist in Georgien nichts besonderes, auch wenn sie am Aussterben sind. Fast alle haben selbst schon mal einen Lada gehabt und wissen, was er drauf hat: Fast nicht zu töten und fährt über Stock und Stein – zäh wie ein Schaf, schnell wie eine Echse.
Voilà meine kleine Sammlung 🙂 Ein bisschen von überall, Küstenregion, Bergregionen und Stadt. Wie unschwer zu erkennen, ist der Besitz eines Ladas nicht Zeichen grossen Wohlstandes. Wobei viele der komfortablen Autos hier in Georgien auf Pump sind und ich möchte lieber nicht wissen, was dafür manchmal alles verpfändet oder verkauft wird. Pfandleihäuser sind in Tiflis sehr verbreitet: bringe z.B. deinen Fernseher und du bekommst 200 Lari sofort. Wenn du die 200 Lari in einer Woche nicht zurück bringst, gehört der Fernseher dem Pfandleihaus. Hm.
Dies ein Ambulanzauto aus den 60ern der Sowjetzeit – in Shatili, dem Hauptort der schwer zugänglichen Bergregion Chevsuretien, scheint es noch heute im Einsatz zu sein
Am letzten Samstag waren nationale Parlamentswahlen, der Tag wurde zum offiziellen Feiertag erklärt. Ich begleitete meine Schwiegereltern zum Schulgebäude, das für unser Quartier als Wahlort diente. Es war zum Vornherein nicht klar, ob ich ins Gebäude reingelassen würde, aber das war kein Problem.
Die im grünen Gilet sind nicht etwa medizinische Assistenten, sondern WahlhelferInnen (sorry, das Foto ist nicht scharf, ich wollte keine Aufmerksamkeit erregen und liess mir darum nicht genug Zeit). Ich durfte nicht weiter gehen als zu diesem Standort. Für die nächste Phase, nämlich das Wahlzettelausfüllen, muss man eine Einladung und dazu passende ID haben, plus werden die Daumenspitzen mit einer Lampe kontrolliert, ob man nicht schon woanders wählen war: Nach der Wahlabgabe werden die Daumen mit einer Flüssigkeit angepinselt, die wiedererkennbar ist.
Nun, der Georgische Traum hat haushoch gewonnen mit fast 49%, gefolgt von der Oppositionspartei, der Nationalen Bewegung mit 27%. Von den 23! anderen Parteien, die sich ebenfalls an den Wahlen beteiligten, schaffte nur Die Allianz der Patrioten Georgiens die 5% Hürde ganz knapp im ersten Wahlgang.
Dem Georgischen Traum wird von verschiedenen Parteien Wahlfälschung vorgeworfen – die internationalen Wahlbeobachter sind jedoch der Meinung, dass alles mehr oder weniger ok war. Es gab eine Schlägerei im Süden gegen die Grenze zu Aserbaidschan weil jemand die Wahlurne stahl – Dank unserem Freund und Helfer, der Polizei, kam sie aber wieder an ihren Platz, und an anderen Orten wurde die Urne geöffnet um unpassende Papiere rauszufischen – aber eben, alles in allem verlief es, wie es heisst, gut und ruhig. Und das, obwohl die Nationale Bewegung im Vorfeld zur Revolution aufgerufen hatte! 😉
Über die Stimmbeteiligung weiss ich im Moment nichts genaues. Viele gingen nicht wählen, weil für sie seit der Unabhängigkeit im 1991 das ewig gleiche Theater stattfindet. Der Georgische Traum kann jetzt fast ungehindert die nächsten vier Jahre zeigen, was in ihm steckt. Wir lassen uns gerne positiv überraschen.
Ansonsten war es ein schöner warmer Tag, und vor dem Schulgebäude gab es Zeit und Musse für den einen oder anderen Schwatz
Jetzt bin ich eineinhalb Jahre in Georgien und spüre, dass ich angekommen bin. Den Blog richtete ich mir ein um eine Art Tagebuch zu führen, Eindrücken und meinem Prozess der Veränderung ein Gesicht zu geben. Gleichzeitig konnte ich so mir nahe stehenden Menschen regelmässig Lebenszeichen geben.
Mit dem Entscheid mich im Tourismus selbständig zu machen, hat sich für mich/für uns ein neues Kapitel eröffnet. Gerade sind wir von einer Tour im Kazbek-Gebiet, Grosser Kaukasus, zurück gekommen. Ich bin je länger je mehr begeistert von der Natur, der Kultur und reichen Geschichte dieses Landes. Darum überlege ich mir ein neues Gefäss zu kreieren, in welchem ich für ein grösseres Publikum die Themen Kaukasus und Georgien vertiefen kann, um dieses gleichzeitig in Bezug zu bringen zu unserem touristischen Angebot. Ich halte Dich auf dem Laufenden.
Hier im Hintergrund das Chaukhi-Massiv mit vier Bergen, der Höchste 3842m, die gerne von Hobby-BergsteigerInnen erklommen werden. Jetzt im Herbst war das Bergsteigercamp weiter oben bereits geräumt, dies der letzte offizielle Punkt zum Übernachten und einen Kaffee trinken, das Five Seasons.
Chaukhi (ausgesprochen: Tschauchi)
Ein anderes Seitental der Alten Heerstrasse, die Tiflis mit Russland seit rund 2000 Jahren verbindet, birgt die Truso-Schlucht
die sich nachher in ein wunderbares Tal verwandelt mit Mineral- und Schwefelquellen, auch ein kleines Seelein mit kohlensäurehaltigem Wasser hat es. Hier Mineralablagerungen
Schwefelquellen – das Wasser schmeckte gut!
Am Ende des Tals ist eine permanente georgische Grenzwachstation, denn noch ein paar Hügel weiter beginnt russisches Gebiet. Ich hatte das Gefühl als sei ich am Ende der Welt angelangt
In Georgien, das im 4. Jhdt offiziell christlich wurde, haben 13 asyrische Mönche im 6. Jhdt die Klosterkultur eingeführt. Ausserhalb von Tiflis, ganz in der Nähe der früheren georgischen Hauptstadt Mzcheta, lebten sie zusammen auf einem Hügel, dem heutigen Sedasenikamm. Mit der Zeit suchte sich jeder Mönch seinen eigenen Weg, um die Menschen in ihrem Glauben unterstützen zu können. So entstanden in Zentral- und Ostgeorgien 13 Kloster, die erhalten geblieben sind und heute, nach der Sowjetzeit, wieder sehr lebendig sind.
Kürzlich waren wir auf dem Sedasenikamm, dort wo Johann Sedaseni, der Anführer der 13 asyrischen Väter, wie sie heute genannt werden, lebte und wirkte. Zwei Gesichter!
(Georgische BesucherInnen)
Von der Klosterkirche aus dem 8. Jhdt (ein Kirchenoberhaupt liess sie rund 200 Jahre nach Sedaseni bauen), zu den Squattern! Nun, illegal hat da eine neue Generation Mönche den Platz bestimmt nicht in Beschlag genommen, aber der improvisierte Shaby Schick erinnerte mich an besetzte Areale in der Schweiz, die Ikonen ausgenommen 🙂
Auch als ich auf das historische Areal des Klosters Sedaseni kam, hatte ich einen Flashback – das Tessin! Schön finde ich, dass die Klosterszenerien hier immer in Bewegung sind, man spürt und sieht, dass gebaut, verändert und gestaltet wird
Für schöne Aussichten scheinen die meisten syrischen Väter ein Faible gehabt zu haben, denn von ihren Orten, für die sie sich oft erst nach langer Wanderschaft entschieden, ist die Sicht meist umwerfend. Ganz links oben im Bild der Tiflis See, hätte nie gedacht, dass man den von Sedaseni aus sieht… (Nachtrag: ich wurde darauf hingewiesen, dass die Lage der Klöster weniger mit einem Faible für schöne Panoramen zu tun gehabt habe, sondern viel mehr damit, dass die Orte schwer zugänglich sein mussten, um sich vor feindlichen Übergriffen zu schützen!)
Ah ja, und das Eisengestänge im Hintergrund war übrigens nicht ein Hochleistungsstrommast, sondern
In zwei Wochen sind hier Parlamentswahlen und es scheint, dass die aktuell grösste Partei im Parlament „Sakartvelos Ozneba“ (Georgischer Traum), sich wieder wird durchsetzen können. Die letzten vier Jahre hat sie in einer Koalition mit vielen kleinen anderen Parteien regiert. Diese Koalition hat sich jedoch vor zwei Monaten aufgelöst, alle beschuldigen jetzt alle unlauterer und unsinniger Machenschaften. Es scheint, dass die kleinen Parteien die Grosse diskreditieren wollten, um bei den kommenden Wahlen besser abzuschneiden. Der Schuss könnte jedoch leicht nach hinten los gehen, denn wer vier Jahre lang das Regierungsgeschehen mitträgt und erst am Schluss den Mund aufmacht, ist auch nicht glaubwürdig.
Die „Nationale Bewegung“ ist Oppositionspartei im aktuellen Parlament mit 63 von 150 Sitzen. Sie war nach der Rosenrevolution von 2004 bis 2013 massgeblich an der Macht beteiligt, bzw. führend. Sie scheint keine reellen Chancen auf einen grossen Wahlerfolg zu haben. Was die in der zweiten Amtszeit von 2008-2013 in Bezug auf Menschenrechte boten war zu desaströs, als dass das schon vergessen wäre. Aber schauen wir.
Ehrlich gesagt, die Natur hier finde ich viel erquickender als die Politik. Wir suchten vor zwei Wochen in der Birtvisi-Schlucht südlich von Tiflis die Überbleibsel einer alten georgischen Festung aus dem 9. Jhdt – erfolglos! Auch eine andere Wandergruppe, die wir auf dem Rückweg trafen, wurde nicht fündig. Wanderwegzeichen sind hier eher selten – der abenteuerliche Aufstieg durch die Schlucht, es hat in diesem Gebirge eine Unmenge von Schluchten – lohnte sich allemal. Die Aussicht auf die wunderlichen Gesteinsformen machte Spass. Wobei mir immer noch nicht klar ist, ob das jetzt Vulkangestein oder Kalkgestein ist, die Meinungen im Internet sind da sehr verschieden. Vielleicht ist jemand von euch Spezialist?
Ich meine wirklich alt, die vorletzte Jahrhundertwende. Letzten Samstag half Wacho seinem Schwager Holz für den Winter ins Wochenendhaus zu bringen, und ich hatte Zeit, in aller Ruhe das historische Museum zu besuchen, welches in einer ehemaligen Karawanserei (Übernachtungs- und Handelsort für durchziehende Handelsleute zur Zeit der Seidenstrassen). Vom letzten Mal hatte ich Bilder im Kopf, die ich unbedingt wieder sehen wollte. Von einem Tiflis, das mich an Venedig erinnerte, mit viel Wasser und Kanälen.
Zu Beginn des 20. Jhdts unterstützten die Belgier Tiflis, Trams im ÖV einzuführen.
Oben auf dem Hügel die Metechi Kirche, die Teil des Schlossareals war, das drum herum sichtbar ist. Zu dieser Zeit waren die Gebäude des einstigen georgischen Könighofs jedoch von den Russen bereits in ein Gefängnis umfunktioniert worden.
1918 wurde die erste Georgische Republik konstituiert, welche jedoch drei Jahre später von den Russen bereits wieder verunmöglicht wurde. Zu meinem Schweizer Erstaunen waren im damaligen Parlament fünf Frauen.
Aus georgischer Sicht verkennen EuropäerInnen die Stellung der Frau in ihrer Gesellschaft völlig. Prominent wird Königin Tamar genannt, die in georgiens Goldenem Zeitalter, 11./12. Jhdt, z.B. die Todesstrafe abschaffen liess, Gerichte erschuf, gegen dessen Entscheide auf höchster Ebene Widerspruch eingelegt werden konnte, und Wissenschaft und Kunst förderte, wie Europa das erst mit der Renaissance, Rund 400 Jahre später erlebte.
Und hier ein Ausschnitt von Tiflis wie es heute u.a. daherkommt, mit den modernen baulichen Eingriffen der Präsidentschaft Saakishvilis (2003-2012), welche umstritten sind
Zuerst Musik, mein diesjähriges Sommerlied, einige Freunde kennen es bereits
Es ist zwar bereits mindestens sechs Jahre alt, aber Schönheit altert nicht, wie wir wissen 🙂 Es ist von den Mgsavrebi, den Reisenden, georgisch.
Zuerst möchte ich vermelden, dass Wacho meinen Geruch schon am zweiten Tag nach meiner Ankunft in Tbilisi wiedererkannt hat, es dauerte also nicht mehr eine ganze Woche wie das letzte Mal. Was mir in der Schweiz besonders auffiel und was ich genoss, war dass ich mit Menschen, die ich nicht kannte, leicht ins Gespräch kam. Von Menschen als eine der ihrigen wahrgenommen zu werden hat grossen Einfluss auf die Kommunikation. Als ich in Südbayern aus dem Zug stieg und anschliessend über die Strasse gehen wollte, sagte eine Frau ganz ungezwungen zu mir etwas über den grossen Verkehr im Dorf. Lachend gab ich Antwort und stellte aufatmend fest wie schön es doch ist, einfach als dazugehörig betrachtet zu werden. Neben dem Äusseren war natürlich auch das Kommunizieren in der Muttersprache ein immenser Türöffner. Ob nach dem Kino in Zürich oder in den Bündner Bergen, leicht wurde ich zu Gesprächen eingeladen oder ich iniziierte sie.
Ja die Berge. Ich darf feststellen, dass mir der Grosse Kaukasus den Zugang zu der Bergwelt eröffnet hat. In der Schweiz lebend war ich keine begeisterte Berglerin. Als ich jetzt in die Berge fuhr, musste ich ganz bewusst daran arbeiten, den bisherigen Filter, der bei mir zur Schweizer Bergwelt gehörte, wegzulassen. Die Natur so anschauen und erleben wie sie ist, ohne veraltete Atmosphären darüber zu lagern – Gefühle von einengender Kleinkariertheit und Schweizerfamilie konnte ich über weite Strecken erfolgreich in der Vergangenheit lassen.
Nachhausegehen ist immer auch verbunden mit dem Wiedersehen von Menschen, die einem nahe stehen. Weggehen heisst Veränderung, nicht nur für die Person, die weggeht. Weggehen heisst veränderte Beziehungen. Während es den einen leichter fällt Veränderung zuzulassen, empfinden andere, aus unterschiedlichen Gründen, die Kursänderung als schwierig. Auch für mich bedeutet es zum Teil schmerzhafte Auseinandersetzung den veränderten Tatsachen ins Auge zu blicken. Aber ist das nicht Teil des Lebens, Teil der Lebendigkeit? In jedem Gefühl wohnt Schönheit.
Dann war ich reif für die Berge 🙂
Juf im Avers-Hochtal, Graubünden, war mein Ziel, der Weg dorthin über Mathon (Schamserberg) und Cresta, der „grösste“ Ort des Averstals, war nicht minder schön. Waren die ersten zwei Tage meiner Bergreise eher kühl, konnte ich die letzten zwei Tage den Sommer wunderbar geniessen. Hanspeter und Doris danke ich sehr für den Tipp, diese Bergregion zu besuchen.
Interessant ist, dass sowohl Juf als auch Uschguli (Georgien) für sich beanspruchen, das höchstgelegendste Dorf Europas zu sein, das ganzjährlich bewohnt wird. Für Juf gibt es genaue Zahlen, es ist 2126m.ü.M. hoch, für Uschguli fand ich Angaben von 2100 bis 2200m.ü.M.. Die Dorfgemeinschaft, die überwintert, dürfte in Uschguli grösser sein, da Uschguli eigentlich für vier kleine Dörfer steht, die sich über rund 2km Länge verteilen, mit einer Bevölkerung von gesamt ca. 250 Menschen. Juf zählt rund 30 EinwohnerInnen. Diese Unterschiede sind nicht sehr wichtig, denn beide Orte sind wunderschön und ermöglichen einem den Eintritt in eine andere Welt.
Das Foto von Uschguli ist von August 2015, als ich und Wacho während unseren letzten Sommerferien u.a. in Swanetien waren. Meine fotografische Aktivität ist in den letzten Monaten intensiver und bewusster geworden. Mein Interesse für die Flora ist gewachsen. Schau Dir einen Ausschnitt meines Erlebnisses vom letzten Tag oberhalb Juf an. Vielleicht kannst Du nachvollziehen, wie sehr ich es genossen habe. Klicke hier und Du bist bei meiner Linse 😉
Ladies and Gentlemen, I’m happy to announce that I’m back in town, wobei das im Moment eher am Wasser ist als in der Stadt – wir haben heisse Temperaturen, 35° und mehr. Heute Nachmittag am Tbilisi-See. Einen Strand gibt’s auch, Wacho und ich ziehen es jedoch vor direkt ins kühle Nass springen zu können
Die letzten knapp drei Wochen war ich ja ein bisschen unterwegs, hier eine Szene von Basel am Rhein
und dem Zürisee.
Ich schwamm zum ersten Mal im Zürisee, früher reichte mein Schwimmradius maximal zur Werdinsel und dem Unterem Letten. Während dem Schwimmen im Zürisee erlebte ich etwas Wunderbares: ich fühlte mich zum ersten Mal vom Wasser wirklich getragen, ich konnte mich mit Leichtigkeit über Wasser halten. Mittlerweile habe ich realisiert, dass meine Beinbewegungen beim Brustschwumm kongruent geworden sind; das leichte Zappeln ist nachvollziehbaren Bewegungen gewichen, ganz von alleine. Ha! Das fühlt sich super an, auch im Tiflis See 🙂
Mehr von meiner Reise das nächste Mal, ich war ja auch in den Bergen.
Morgen früh flieg ich über Athen nach München. Dort meditiere ich drei Tage in der Vipassana-Tradition. D.h., nicht reden, nichts lesen, keine neuen Informationen sollen von aussen zu einem dringen, ausser dem was man von seiner Umgebung halt sieht. Einander nicht in die Augen schauen, keinen spezifischen nonverbalen Kontakt. Das ermöglicht, dass frau und man ganz zu sich kommen kann, in die Ruhe und auch in die Langsamkeit, wie ich festgestellt habe. Einmal im Jahr ermögliche ich mir einen solchen Rückzug. Er tut gut.
Danach geht’s in die Schweiz, nach Zürich und Basel und auch in die Berge.
Hier ein Song von Nino Qatamadze, ich grüsse Dich damit herzlich aus der georgischen Welt. Am 17. August flieg ich wieder zurück…
Google Maps gab uns eine Fahrtzeit von 3.5 Std. an für 150 km. Ein klares Zeichen, dass es nicht nur geradeaus gehen würde. Chevsuretien war unser Ziel, eine kaum erschlossene Bergregion nördlich von Tiflis, welche an die russische Republik Tschetschenien grenzt – inklusive einem Pass von 2650 m. Um es gleich vorwegzunehmen, wir brauchten 6 Std. bis wir in Shatili, dem Hauptort Chevsuretiens waren und von mir kann man berichten, dass ich mindestens erschöpft war, als wir ankamen.
Es war für mich eine Reise zu den grünen Tieren. Rücken an Rücken standen sie, ich hätte sie gerne gestreichelt, so samtweich sahen sie aus.
ok, einige Tiere waren auch brauner Schattierung…
In Shatili und Muzo, beides sind Täler mit eigener Vegetation, finden sich heute noch Wehrsiedlungen aus dem 10.-12. Jhdt. Die Menschen bauten damals ihre Schiefersteinhäuser im Hang so nah aneinander, dass die Aussenmauern zu einer Wehrmauer wurden. Warum? Um sich vor den Angriffen des Tschetschenenvolkes zu schützen, die öfter auf Raubzüge ausserhalb ihrer Reviere gingen.
Unten eine andere Siedlung, die blauen Plastikplanen gehören zur Sommersiedlung einer Sippe aus Tuschetien. Tuschetien ist die westlich angrenzende georgische Bergregion, die strassenmässig noch herausfordernder ist als Chevsuretien, wie Wacho und ich wissen aber noch nicht selber erlebt haben. Die Sippe ist mit Schafen, Vieh und Kindern gekommen, sie bauen Gemüse an, das sie in Tiflis verkaufen wollen. Mitte Oktober geht’s dann über die Hügel wieder zurück.
Wir haben einen Schafhirten der Sippe im Tal angetroffen, er grüsst Dich herzlich „gamartschoba“. Auf dem Tal-Bild weiter unten sind seine Schafe leider nicht zu sehen, dafür ein Wehrturm. Wenn die Leute früher nicht in Siedlungen wie Shatili lebten, hatte jede Familie ihren Wehrturm, in dem unten Vieh und Gemüselager waren, in der Mitte Wohnraum und der obere Teil diente zur Verteidigung mit Schiessscharten.
Abschliessen möchte ich mit Blumen, die den grünen Tieren zu Hauf auf dem Rücken wachsen