Diesmal klappts bestimmt!

Diesen Sonntag bin ich mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Fünften Schweiz auf srf1 um 11:30 Uhr zu hören, denn die Sendung haben wir gestern voraufgenommen. Das Radio hat auf digitale Telefonie umgestellt und traut seiner neuen Anlage noch nicht ganz über den Weg. Letztes Mal lag es nämlich nicht an der Leitung Georgien-Schweiz, dass ich nicht zu hören war, sondern an der neuen Radiotelefonanlage! Hier noch der Link, ich freue mich auf den Sonntag http://www.srf.ch/sendungen/die-fuenfte-schweiz/brigitte-renz-die-raue-natur-georgiens-hat-es-mir-angetan

Dies ist keine Weihnachtsbeleuchtung, sondern Stau unter unserem Küchenfenster in Tiflis!
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Der Kaffeeverkäufer und ich

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Es war ganz schön matschig auf dem grossen Sonntagsmarkt in Kabali, Ostgeorgien. Die Halle im obigen Bild war gedeckt, das meiste spielte sich jedoch draussen ab. Das Wetter tat dem geschäftigen Treiben keinen Abbruch, hier trifft man sich bei Sonne, Regen oder Schnee!

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Salzbrocken aus dem Iran

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Gewürze

Kabali liegt nicht weit von der Grenze zu Aserbaidschan. Rund 80% der Leute sind hier Aseris, wie die AserbaidschanerInnen genannt werden. Am Sonntagmorgen kann man hier fast alles finden. Von Mandarinen der Schwarzmeerküste über Hühner, Kleider, Werkzeuge und nach einem kurzen Spaziergang über Stock und Stein

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auch den Viehmarkt. Die Stute auf dem Hügel stand da wie eine im Regen vergessene Königin.

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Wenn die Sonne scheint, siehts hier sicher nochmal anders aus. Es ist ein Treffpunkt der ganzen Region, die Gerüchteküche brodelt bestimmt heiss, auch wenns draussen kühl ist. Übrigens, der Kaffeeverkäufer wollte auf ausdrücklichen Wunsch mit mir posieren!

Beim Coifför

Im ersten Jahr war es für mich ziemlich schwierig, das hier kaum praktizierte Grüezi und Adieu zu integrieren. Kalt fühlte sich das an und unfreundlich! Ich, die ich mich das professionelle, freundliche, manchmal auch offenherzige Schweizer Zahnpastalächeln gewohnt war, kam in Schwierigkeiten. Soll ich jetzt auch nicht mehr Grüezi sagen? Jawoll! Das war für mich aber noch unangenehmer. Denn als einsame Grüezisagerin hatte ich wenigstens das Gefühl ich wisse wie man sich benehme. So ganz ohne Nichts drückte es mir aufs Gmüet. Also wieder Grüezi. Einfach so, weils mir Spass macht und gut tut.

Zu diesem Schluss kam ich letzten Frühling. Mittlerweile scheine ich schon tiefer in die vielschichtig laufenden Fäden des täglich-georgischen Miteinanders gerutscht zu sein. Es wird mir nämlich klar, dass wenn sich eine Gesellschaft als Gemeinschaft versteht, ein offizielles Grüezisagen z.B. beim Betreten eines Ladens nicht unbedingt nötig ist. Bei Dir ist bei mir und früher oder später sehen wir uns sowieso wieder. Das ist ein ganz anderes Verständnis von geteiltem Alltag. Irgendwie so läuft das hier.

Letzten Samstag beim Coiffeur hab ich „georgisch“ gut gespürt. Während des ersten Jahres ging ich zu einer europäischen Coiffeurkette, die ein bisschen teuer war. Seit ich jedoch im August von der Schweiz zurück kam, hab ich mich einer Coiffeuse grad hier im Quartier anvertraut. Das geht tipptopp. Seit einem Jahr gehör ich ja auch zu den Haarfärberinnen, in Georgien wird das durch alle Alter gemacht, hemmungslos, das gehört einfach dazu. Demzufolge ist jede Quartiercoiffeuse eine Färbspezialistin. Nun denn. Meinen Coiffeurbesuch letzten Samstag hab ich genossen. Das ging so ungezwungen zu und her, dass es eine Freude war. In das Gespräch, das die Coiffeuse und oder die Nagellackiererin mit den Kunden führten, waren meist alle involviert. Das war nicht so zuerst kommt die eine und dann die nächste, sondern alle zusammen. Ich als nicht klar definierbare Ausländerin wurde nicht integriert. ABER da mein Georgisch mittlerweile so passabel ist, dass ich es wage mich kundzutun, habe ich später, als es ein bisschen ruhiger im Salon wurde, ein Gespräch mit den zwei Frauen begonnen. Und siehe da, sofort waren sie sehr offen und haben mir viel erzählt. Es ist ein gutes Gefühl zu merken, dass ich mich langsam in das Alltägliche der Leute einschalten kann. Yeap!

Herr Trump / und Wein

Die Wahl von Mister Trump hat hier keine Bestürzung ausgelöst. Bei mir schon, aber ausgeschlossen habe ich diese Möglichkeit nie.
Hier gibt es eine George-Bush-Strasse, die sich am Ende gabelt und in der Mitte steht ein grosses Portrait von Bush, mit strahlendstem Lächeln. Ob der eine oder die andere regiert, Amerika ist in Tiflis, so nah an der Grenze zu Russland, sowieso sehr präsent. Die amerikanische Botschaft ist riesig und es wird gesagt, dass sie im Boden noch ein paar zusätzliche Stöcke hat. Wie gross Amerikas Einfluss auf die hiesigen politischen Abläufe ist, ist schwierig abzuschätzen.

Gerne wechsle ich das Thema. Ich kann von mir sagen, dass mich das politische und wirtschaftliche Geklüngel der Welt immer weniger im Detail interessiert. Die Grundzüge scheinen mir sehr klar und ich sehe keine Anzeichen für Veränderung. Ich orientiere mich an den jeweiligen Taten und Folgen derer, die sich dafür berufen fühlen. Ich war nie der Typ um auf diesen Bühnen aktiv zu werden, für mich gibt es andere Felder.

Als wir bei den Vulkanen waren, gingen wir nachher nicht schnurstracks nachhause. Wir blieben im Osten, fuhren aber nordwärts. Dort ist das grösste Weingebiet Georgiens, die Tradition der Weinproduktion reicht bis 8000 Jahre zurück. Traditionell wird der Wein in im Boden eingelassenen Tongefässen gegoren, Quevri genannt. Hier der Wikipedialink zum Thema https://de.wikipedia.org/wiki/Quevri, wobei ich dem Artikel insofern widersprechen oder ihn updaten muss, als dass es mir kein Problem mehr zu geben scheint bei der Verfügbarkeit von Weinamphoren (Quevri). Jeder Weinbauer, der heute was auf sich hält, produziert auch Quevri Wein bzw. hat sich darauf spezialisiert. Ich habe mir von einem Weinbauern in Kachetien (Ostgeorgien) sagen lassen, dass Quevri als Qualitätsmerkmal in den letzten Jahren internationalen Wert bekommen hat. In den USA werde in Restaurants immer mehr nach Quevri-Wein gefragt. Die Vermaktung ist in Europa wohl noch nicht so weit, aber das kann ja noch werden.
Die orangen Früchte im Himmel sind Kakis, die sind jetzt wunderbar süss. Das Alaverdi Kloster, 6. Jhdt, macht bis heute Qualitätswein. Reben werden hier im Tal angepflanzt. Im Hintergrund jeweils die schneebedeckten Spitzen des Grossen Kaukasus.

Schlamm-Vulkane

Ich wollte dort schon lange hin. Mir gefallen karge Landschaften und aktive Vulkane hatte ich noch nie erlebt. Der Vaschlovani Nationalpark ist am äussersten süd-östlich georgischen Zipfel, an der Grenze zu Aserbaidschan. Es ist streng geschütztes Gebiet, das heisst, die Natur gehört der Natur, Eingriffe vom Menschen werden wo immer möglich unterlassen.
Die Schlamm-Vulkane sind Mini-Vulkane, die wir nach 2-3-stündiger Fahrt innerhalb des Nationalparks vorbei an Schafherden, verlassenen Kolchosen und einem Staudamm auf ca. 600 m ziemlich erschöpft aber glücklich erreichten. Als wir uns den Vulkanen zu Fuss näherten, hörten wir Gurgeln und das schmatzende Platzen von Wasserblasen – tief unter dem Gestein und Schlamm sind Gas und Öl, deren chemische Vorgänge sich durch die zarten Hälse der Vulkanlein Luft machen. Seit 2 Mio Jahren sollen diese Burschen schon dort sein, wie stark sie zu anderen Zeiten aktiv waren weiss ich leider nicht

Dank dem, dass wir mal „falsch“ abgebogen sind, die Beschilderung war wie immer georgisch (= man und frau fahre intuitiv und geduldig, manchmal sucht einen plötzlich das Glück heim und ein Wegweiser blitzt im Licht) – also dank einem Umweg kamen wir auch in den Genuss der felsigen Landschaft Badlands. Ich hatte das Gefühl ich sei in der USA!
Auch die Nase kam nicht zu kurz, eine Art Rosmarin-Kraut, das weite Strecken des Bodens bedeckte, verströmte seinen soliden Duft. Und ja, Cowboys und Schafhirten waren an der Arbeit. Am Dali-Stausee, an ihm wären wir auch ohne Umweg vorbeigekommen, muss einst eine grosse Kolchose gewesen sein, wir sahen deren Überreste

Kino

Im Vorgespräch fürs Radiointerview wurde ich gefragt, was mir denn von der Schweiz fehle. Es kam nichts, und dann kam „Kino“. Dieses Wort scheint in mir ein schlafendes Bedürfnis berührt zu haben, denn die Sehnsucht, in eine andere, fesselnde Geschichte einzutauchen, meldete sich in den Folgetagen hartnäckig. Aber eben, das mit dem Kino ist hier so eine Sache. Wer amerikanische Kassenschlager mag, kommt hier einigermassen durch. Wer europäisches Studiokino mag, muss den Gürtel jedoch ziemlich eng schnallen. Es gibt eine alternative Kinoinstitution, die ist aber im Umbau und zwar schon so lange, dass mir scheint, dass denen das Geld ausgegangen ist. Die oben erwähnte plötzlich wieder erwachte Sehnsucht liess mich jedoch endlich nach dem Institut Français googeln das es in Tiflis gibt, irgendwo hörte ich mal, dass die auch Filme haben. Ja! all zwei Wochen ein Film. So war ich also gestern dort, bzw. in der Universität für Theater und Film, das Institut Français zeigt dort seine Filme in einem hübschen shaby chic Saal. Das Leben von Yves Saint Laurent, auf französisch mit georgischen Untertiteln. Hat Spass gemacht! Ich mag Französisch sehr.

Als ich nach der Filmvorführung nach draussen kam, war grad nochmal Kino. Blechanowe ist ein Stadtviertel in neoklassizistischem Stil, die Russen, die ab dem 19. Jhdt in Tiflis Einfluss nahmen, waren ganz verliebt in diese Ästhetik. Blechanowes Hauptstrasse wurde in den letzten Jahren renoviert und kürzlich fertig gestellt. Ich entdeckte gestern Abend davon den letzten und neusten Teil der Fussgängerpromenade. Ich fühlte mich wie in einer Filmkulisse, so gut beleuchtet, frisch gestrichen und mit Designerbänken war das alles. Ein Shop mit Frozen Yogurt, hier noch nie gesehen, Bars und Restaurants schön gediegen – und plötzlich wars fertig mit dem Licht und die Häuser und Leute fanden wieder Unterschlupf im Halbdunkel. Das Tiflis, das ich schon kenne und liebe war wieder da.

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Seitenstrasse in Tbilisi, ohne russischen Einfluss und ohne Renovation

Am Radio war leider nix

Liebe FreundInnen, liebe DRS1 HörerInnen, es tut mir leid, dass es gestern am Radio nicht klappte mit dem Interview. Es ist mir ein bisschen rätselhaft, denn ich hörte Frau Sager bei ihren vielen Anrufen jedesmal einwandfrei. Es ist wie es ist, und vielleicht gibts ja noch einen zweiten Anlauf. Die Verbindung nach Georgien ist normalerweise kein Problem.

Ich wurde gefragt nach unserer Tourismus-Website, hier ist sie: georgienwbtours.com, wir heissen Georgien WB Tours und freuen uns auf Euch. Gäste zu haben hat für uns mit Freundschaft zu tun.
Wir sind daran konkrete Touren für Euch aufzuschalten, damit Ihr klarere Anhaltspunkte habt, wie ein Besuch, ein Eintauchen in Georgien aussehen könnte. Wer sich direkt bei uns meldet, hat den Vorteil, dass keine z.B. Schweizer Reiseagentur zwischengeschaltet ist. Dies ergibt angenehme Preise.

Bitte habt Verständnis, dass die Website langsam wächst, ich mach das mit Wacho, meinem Mann in Eigenregie. Auch sonst gibt es viel zu tun, heute z.B. haben wir einen Termin mit dem Management von Turkish Airlines für eine zukünftige Zusammenarbeit.

Für Fragen und Wünsche könnt Ihr Euch direkt per Mail georgienwbtours@gmail.com oder per Tel. +995 555 169 351 an uns wenden. Offerten und Reisevorschläge sind kostenlos.

Ganz herzlich, Brigitte
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Wandern rund um Borjomi

Wir nutzten letzen Do bis So um neue Wanderrouten zu testen, dort wo noch kein Schnee war, dafür Sonne. Wie immer, jeder Tag ein Abenteuer, man weiss nie genau was einen erwartet und am Schluss wird alles gut:)

Borjomi, eine Kleinstadt von rund 10’000 EinwohnerInnen im Kleinen Kaukasus, liegt auf 800m und war ab dem 19. Jhdt beim russischen Königshaus sehr beliebt wegen seinen heilenden Schwefel- und Mineralquellen. Wir befinden uns in ehemaligem Vulkangebiet.

Hier ist die in Westeuropa so beliebte Nordmanntanne beheimatet! Es gibt keine Baumschulen, die Kleinen spriessen gleich von alleine

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Meist wandelten wir jedoch unter Kaukasus-Fichten. Ihre dünnen, quirligen Ärmlein bieten sich weniger gut für Weihnachtsbäume an (links im Vordergrund)

Ein Höhepunkt war natürlich das openair Bad im restaurierten königlichen Plantschbecken. Das Wasser war rund 32° warm und leicht schwefelhaltig. Die Umkleidekabinen waren geschlossen, es liess sich jedoch trotzdem ein windstilles Örtlein finden zum Umziehen, paradiesisch war das
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Auf dem Hinweg fuhren wir über den Neunquellenpass (2450m) und trafen Hirten mit ihren Kuh- und Schafherden an, die auf dem Heimweg waren ins Winterzuhause. Auf der Passhöhe befindet sich ein militärischer Kontrollpunkt der Baku-Tiflis Pipeline, die Öl nach Europa fliessen lässt. Fotografieren verboten.
Hier noch ein Querschnitt unserer Touren, hineinklicken und das Bild wird gross. Der weisse Hund ist ein Kaukasischer Schäferhund, er war ganz brav