Im Schnee

Endlich ist es mir gelungen im Kaukasus auf die Schier zu stehen! An den Gleitschirm hab ich mich nicht gewagt, wobei mir die Variante Gleitschirm mit Schiern gut gefiel, die ich vom Schilift mal mitverfolgen konnte

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Gudauri, ein junger Wintersportort auf 2196m, der höchste Schilift bringt Dich auf 3268m. Von wo man eine atemberaubende Sicht haben muss ins Gebiet des 5000ers Kasbek, wie mir ein Ukrainer in gebrochenem Englisch auf dem Sessellift vorschwärmte. Leider  war ich zu spät, der Lift war nach 16 Uhr bereits geschlossen. Aber die Sicht auf dem Bild oben, von der Spitze des Bergs Kudebi auf 3006m, ist auch super… oder?

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Wir (Wacho, Tasso und ich) waren an einem Dienstag im glitzernden Weiss, die Pisten waren wohltuend frei und an den Liften musste nicht angestanden werden. Auf den Fahrten nach oben hab ich mit TouristInnen aus Russland, Dänemark, Schweden und der Ukraine geredet. Jene, die mir ohne Schier entgegenkamen, waren vermutlich IranerInnen. Vor allem die EuropäerInnen waren begeistert von der Möglichkeit, im Kaukasus für weniger Geld und mehr Platz Schi zu fahren.
Auf unserer Website Georgien WB Tours haben wir neu auch ein Skiangebot, check it out! https://georgienwbtours.com/2017/01/27/tiflis-und-ab-in-den-schnee/

Zudem hatte ich die Ehre, Tasso und Wacho in die Welt der Latten einzuführen. Beide haben sich ohne Zaudern darauf eingelassen und Tasso kam gegen Ende mit mir 2x auf den ersten Lift. Ich  war früher ähnlich – so bald sie einigermassen raus hatte, wie das mit den Kurven und dem Bremsen läuft, fand sie es am Schönsten, möglichst gerade runter zu fahren – den Kitzel der Geschwindigkeit zu spüren – ich höre die Stimme meiner Mutter, die mir auf der Piste hinterher ruft „mach au ä paar Böögli zwüscheniine!“

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Der Besuch der Alten Dame

Gestern Abend im Kellerlokal des grossen Mardschanischvili-Theaters in Tiflis. Die Alte Dame kommt nach Güllen, auf Georgisch, wir grüssen Friedrich Dürrenmatt. Das war mein dritter Theaterbesuch in Tiflis, zum ersten Mal war ich davon angetan und zum ersten Mal hab ich auch einiges verstanden. Obwohl, es gab noch eine englische Übersetzung, die an die Wand gebeamt wurde.

Nur: Für was der abendliche Gang in den Keller? Um was zu erfahren? Dürrenmatt hat das Stück in den 50ern geschrieben, damit seinen internationalen Durchbruch geschafft und damals anscheinend einen wichtigen Nerv der Zeit getroffen. Es geht um Verrat, die Käuflichkeit der Menschen und um Rache. 61 Jahre später, 2017, habe ich mich dabei angenehm unterhalten. Die Unzulänglichkeit des Menschen ist global bekannt.

Ob es heute Stücke gibt, die alternative Verhaltensweisen thematisieren? Wird daran gebastelt, dass der Mensch durchaus die Freiheit hat Vergangenes sein zu lassen, sich anderem zuzuwenden? Verstrickung ist aus meiner Sicht kein Schicksal. Kennst Du Stücke, die den Menschen anders zeigen als in den immer alten Mustern? Ich verfolge die Theaterlandschaft seit längerem nicht mehr, weiss aber aus anderen Phasen meines Lebens welche Wucht Theater haben kann. Gibt es konstruktive Impulse? Hat das heutige Theater die Augen offen für neue Wege? Hat Dich kürzlich, oder vielleicht ist es auch schon länger her, ein Theaterbesuch elektrisiert? Ich freue mich auf Hinweise

 

Nochmal alles

Nachdem für mich am 6./7. Januar zum zweiten Mal Weihnachten gefeiert wurde, darf ich Dir heute auch zum zweiten Mal ein glückliches Neues Jahr wünschen: gilozav achal zels! (გილოცავ ახალ წელს!). Nach dem alten Kalender war erst gestern Silvester. Da Silvester kein religiöses Fest ist, wurde dieses jedoch im grossen Stil am 31. Dez. gefeiert, und ein bisschen nochmals jetzt. Das Konzert der Böllerschüsse war gestern Nacht immer noch genug eindrücklich.

Die georgische Weihnacht war für mich in vielerlei Hinsicht ungewohnt. Ich habe die Mitternachtsmesse in der Kathedrale Sameba (Dreifaltigkeit, sami bedeutet drei) besucht. Das religiöse Oberhaupt der georgischen Orthodoxie, welche auf eigenen Wunsch keinerlei Kirchenbündnissen angeschlossen ist, waltet dort seines Amtes. Allerdings ist der Patriarch alt und gesundheitlich sehr schwach. Das Gerangel um seine Nachfolge hat bereits begonnen. Als ich um 23 Uhr dort ankam, war die Kirche schon sehr voll. Vom Seiteneingang konnte ich nicht mehr bis zum Hauptschiff vorstossen. Bänke gibts in den hiesigen Kirchen nicht, Stehen ist angesagt, die Messe dauert bis ca. 4 Uhr morgens. Es ist aber ein dauerndes Kommen und Gehen, die Jugend, und nicht nur die Jugend, checkt ihre Handys, filmt und macht Fotos. Um 24 Uhr zündeten die meisten eine Bienenwachskerze an, die sie dann in der Hand hielten. Es wurde immer wärmer und die Luft süsslich geschwängert – eigentlich wartete ich die ganze Zeit darauf, dass es jetzt endlich raus ginge und man zusammen drei Mal um die Kathedrale gehen würde. Nichts da. Um 0:45 hielt ich es nicht mehr länger aus und zahnte mich in die Linie ein, die sich nach draussen arbeitete. Viele BettlerInnen säumten den Weg von der Kathedrale runter ins Zentrum. Hochsaison.

Am eigentlichen Weihnachtstag, am 7.1., war ich dann überrascht. Alle Läden waren offen, auch die kleinen Früchte- und Gemüsestände, sogar der junge Mann, der aus dem Kofferraum bei uns vor der Tür Käse verkauft, war da. Cash. Die Leute brauchten wieder Geld auf die Hand, denn seit dem 31. wurde gefeiert und jeder hoffte wohl, dass der/die KonkurrentIn zu Hause bleiben würde.

Zum endgültigen Jahresanfang möchte ich Dich in die georgische Chormusik entführen. Es gibt auch kirchliche Chormusik, hier jedoch drei Müsterli aus dem weltlichen Alltag:

1) Der Chor Basiani singt ein Lied aus der Region Kachetien, Ostgeorgien. Es dauert fast fünf Minuten. Wenn ich dem Gesang zuhöre, spüre ich den langen Atem eines Volkes, das sich trotz allen An- und Übergriffen von Aussen immer wieder durchgesetzt hat http://www.alazani.ge/base/basiani/Basiani_-_Kaxuri_mravaljamieri.mp3 (klicke auf die blaue Schrift und Du kommst direkt zur Musik)

2) Chor: Georgische Stimme, ein Lied aus Gurien, Westgeorgien. Diese Region ist bekannt für ihren Jodel. Ganz schön verrückt 🙂 http://www.alazani.ge/base/qartuli_xmebi/Qartuli_xmebi_-_xasanbegura.mp3

3) Nochmals der Basiani Chor. Ein Lied aus Mingrelien, ebenfalls Westgeorgien. Frau und Dschonguri (georgisches Saiteninstrument, ähnlich der Guitarre) sind in der Hauptrolle http://www.alazani.ge/base/basiani/Basiani_-_Asho_Chela_Megruli.mp3

Magst Du diese Musik? Hier kannst Du in eine Schatzkammer eintauchen

Wale

Komm mit mir zu den Walen. Sie bewegen sich unmerklich. Ihre Rücken sind wie Leder. Über Jahrtausende wälzen sie sich aneinander vorbei.

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Mit Einbruch der Dunkelheit kommen sie aus ihren Löchern und Tümpeln. Die Kreaturen, die nachts die Wale ärgern. Man würde es nicht meinen, aber diese seien ganz schön kitzlig zwischen den Schwielen.

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Ob zuerst die Kreaturen da waren oder die Wale, man weiss es nicht. Das russische Militär baute in den 50er Jahren einen Hochsitz, um das Gebiet besser zu kontrollieren und Daten zu sammeln

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Umsonst. Das Foto unten zeigt die Gegend, von der die Hirten sagen, dass sich dort die Kreaturen manchmal versammeln würden. Sie hätten zischende Laute gehört

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Lassen wir das so stehen.

Trump zum Silvester

Noch eine kleine Geschichte vom Silvester, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Wir gingen nach 23 Uhr zu Wachos Eltern, wo ein schöner Tisch mit den typischen Silvesterspeisen auf uns wartete. Das heisst knusprig gebratenes Spanferkel, ebenso knusprige Forelle und verschiedene kalte Gemüsespeisen, die z.T. mit Nusssauce und Granatapfelkernen serviert werden. Alles, inkl. Dessert, ist von Anfang an auf dem Tisch, so ist dieser immer auf den letzten Millimeter belegt und vorsichtiges Zirkeln beim Schöpfen ist angesagt – begleitet von georgischem Champagner.
Worauf ich hinaus will, ist die russische Silvestershow im Fernsehen, die uns abwechselnd mit georgischen Programmen begleitete. Die russische Show war gross angelegt, mit Glanz und Glitter, Humor und Musik, die wird immer schon im Sommer vorproduziert. Dann, die nächste Einlage, eine Donald Trump-Parodie. Genüsslich serviert, bald kommt noch Putins Stimme per Telefon dazu und es gibt ein lustiges Palaver. Trump beendet seinen Auftritt mit einem emotionalen Neujahrssong, das Publikum ist voll happy. Könnt Ihr Euch so was in den USA vorstellen? Ich nicht.

New Year

Ein gutes neues Jahr wünsche ich Dir von Herzen!

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Ich wünsche Dir die Sprungkraft der obigen Zebras! Ihrer Lebensfreude kann die zerfallende Umgebung nichts anhaben. Schnappschuss aus einem der ältesten Quartiere Tiflis‘.   Prost!
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Unsere Wohnung ist ja auch nicht gerade neu renoviert, aber im Grossen Ganzen hält sie. Eigentlich ist sie wunderbar irritierend, wenn zum Beispiel die Türfalle plötzlich mit der Hand verbunden ist anstatt mit der Tür. Diese Wohnung haben wir vom Teelöffel über die Muschelsammlung bis zum Bett von A-Z zur Miete übernommen. Das ist hier keine Seltenheit. Die vielen Leute, die vom Land in die Stadt ziehen sind froh, wenn sie nicht erst noch einen ganzen Haushalt anschaffen müssen – und unsere Vermieterin, die mit ihrem Kind jetzt bei den Eltern lebt, war sicher froh, dass sie nur wenig einlagern oder entsorgen musste.

Unten, das erste Bild ist unser Hauseingang. Dahinter hat sich in den letzten Monaten ein langwieriger Prozess abgespielt, der langsam seinem Ende zu geht. Die Stadt hatte sich letzten Sommer plötzlich entschlossen einiges zu sanieren – vermutlich weil die Wahlen anstanden. Das mit den Häusern und Wohnungen ist hier für mich ein seltsames Phänomen. Da zu Sowjetzeiten niemand privat (Mehrfamilien)häuser bauen durfte, gehören alle Häuser aus dieser Zeit dem Staat, obwohl darin meist Eigentumswohnungen sind. So ist denn der Staat verantwortlich für die Renovation der Gemeinschaftsflächen und Fassaden.
Die Renovation kam bei uns nur langsam voran, weil dieselbe kleine Arbeiterequipe in allen fünf Treppenhäusern alle Arbeitsabläufe machen musste. Nichts von Spezialisierung, hier ist jeder ein Allrounder! Das ist den Fotos glaub gut abzulesen, ich habe oft gestaunt 🙂
Es lebe die Baustelle.

Und so sieht die Chose von aussen aus. Ein massives Haus aus den 40/50er Jahren. Es besteht die Vermutung, dass beim Bau deutsche Kriegsgefangene involviert waren. Deckenhöhe: 3 m.

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Weihnachten 2016

In Tiflis gibt es zwei ostkatholische Kirchen. Nachdem ich letztes Jahr nicht gerade begeistert war von meinem Weihnachtsgottesdienstbesuch, probierte ich vorgestern die andere Kirche aus. Somit habe ich jetzt den Unterschied der zwei Kirchen herausgefunden. Die eine, die von letztem Jahr, wird für und von Ausländern betrieben. Die andere ist für die georgischen Katholiken. Der Gottesdienst war also auf Georgisch, wie ich einigermassen überrascht feststellte – letztes Jahr wurde alles auf Englisch zelebriert. Der Pfarrer aber war aus Italien. Das scheint so Sitte zu sein, denn ich habe bereits in einer anderen Stadt einen italienischen Pfarrer getroffen, der versucht seine georgisch-katholischen Schäfchen zusammenzuhalten.
Die zehnjährige Tasso, Wachos Nichte, begleitete mich diesmal. Sie wollte die Orgel sehen und hören, die es in unseren Kirchen gibt. Dass der Pfarrer kein hiesiger war kam mir entgegen, denn so wurde der Text schön langsam gesprochen – den Hauptteil der Predigt las er ab, und dennoch war es für ihn schwierig die Zeilen auseinanderzuhalten und Ordnung im Wörter- und Buchstabendschungel zu haben. Er hat es gut gemacht, nahm es mit der Ruhe und es war ganz bestimmt nicht seine erste Predigt. Beim Freisprechen unterstützten ihn seine Assistenten, wenn er allzu lange nach (noch) nicht vorhandenen Worten angelte. Hut ab, es ist eine Herausforderung, sich als Fremdsprachler einer georgischsprachigen Kirchgemeinde anzunehmen. Die Kirche war stilvoll und den europäischen Kirchen ähnlicher als jener, die ich letztes Jahr in Tiflis kennenlernte. Auch ein mir bisher unbekanntes Ritual bekam ich zu sehen: Das Jesuskind wurde im Mittelteil des Gottesdienstes von einem jungen Mädchen in Weiss durch den Hauptgang nach vorne zum Altar getragen. Dann wurde das Objekt kräftig geweihräuchert und an seinem Platz installiert.
Ich hatte schon fast vergessen, dass in unseren Kirchen auch das Volk zu Wort kommt. Etwa sieben Frauen und Männer lasen einen kleinen Text von der Kanzel vor. Das empfand ich als angenehm demokratisch, die georgisch-orthodoxe Kirche kennt so was nicht. Auch das Abendmahl hatte für mich noch eine Überraschung bereit. Die Hostie wurde kurz in Wein getunkt, bevor sie abgegeben wurde – so hatte ich bereits Anfang Nachmittag einen halben Schwips!

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Die georgische, orthodoxe Weihnacht findet nach dem alten Kalender, am 6./7. Januar statt. Unten der traditionelle georgische Weihnachts- und Neujahrsbaum, er heisst Tschitschilaki und bringt den Familien Glück und Frieden. Wir heissen seine Kräfte in unserer Stube willkommen. Ursprünglich kommt er aus Gurien, einer Region der Westküste, seine weisse Pracht entsteht aus dem Ast eines Haselstrauchs

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Impressionen von Tiflis und den gurischen Weihnachtsbäumen, die sehr verbreitet sind. Nach ca. einer Minute sieht man im Film wie der Tschitschilaki hergestellt wird. Ich wünsche Dir frohe Festtage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr! Danke dass Du meine Beiträge verfolgst und mich somit aus der Ferne begleitest.

Traurig und doch

Heute ist mein Geburtstag! Was für ein schönes Gefühl morgens aufzuwachen und liebevoll in die Arme genommen zu werden. Anschliessend Meditation und in Dankbarkeit bin ich bereit in den Tag zu starten. Und dann, die Nachricht vom gestrigen Attentat am Berliner Weihnachtsmarkt. Die Spirale dreht sich gut. Zuerst wird in Istanbul der russische Botschafter erschossen, nicht viel später krachts dann in Berlin. Die USA und Deutschland/EU lancieren den ersten Coup, Russlands Antwort kommt umgehend. Dies eine georgische Interpretation der Geschehnisse, welche die Realität der Geheimdienste gut im Blick hat.

Wenn es doch nur möglich wäre, aus dieser Welt, die sich in den Orientierungspunkten völlig verirrt hat, eine Neue rauszulösen. Eine, die es uns möglich machen würde, nochmals von vorne anzufangen. Was ist Dir wirklich wichtig? Was ist mir wirklich wichtig? Wir kämen auf ganz grundlegende Werte und würden von dort starten. Reinen Herzens. Das ist kein Witz! Wir könnten das.

Es war schon lange mein Wunsch Euch an meinem Geburtstag dieses kleine Liedlein vorzustellen. Die Generation meiner Eltern kennt es sicher, für viele andere mag es aus dem Dunst vergangener Zeiten kommen, ohne klare Konturen. Ich selbst kam damit lustigerweise durch Wacho in Kontakt, der immer mal wieder gerne Musik hört, die er in seiner Jugend zu Sowjetzeiten gemeinsam mit Freunden hörte.
1969, mein Geburtsjahr, Joe Dassin ist noch ganz am Anfang seiner Karriere und ich liebe es ihm zuzuschauen und zuzuhören, wie er ganz im Moment ist, wie er geniesst – die Musik und sich selbst

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Ausgesprochen wird das „Avto Samrezchao“ und heisst Autowaschanlage. Sie ist nicht weit von uns im Quartier Saburtalo zu finden und bezaubert mich jedesmal, wenn ich an ihr vorbei gehe. Vor ca. 2 Wochen festgehalten, als es einen Kälteeinbruch gab mit Schnee bis in die Stadt, was eher selten ist

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Diese unkompliziert gebastelte Version ist jedoch nicht repräsentativ für die Autowäschereien Georgiens, die sind nämlich durchaus fortschrittlicher, aber längst nicht so vergnüglich anzuschauen.

Am 10. Dezember hat hier die Skisaison begonnen und es schneit munter – bis auf 800 m im Osten. Tiflis ist auf 380-770 m, der Puder hat sich schon längst wieder aufgelöst. Unten ein Winterbild vom Kvarelisee im Osten, oberhalb des Alasanitals, das im Herbst Saison hatte: Hier wurde in grossem Stil geherbstet! Übrigens, wir sind stolz, der orange Wein „Chinuri“ wurde dieses Jahr in die Weinliste des illustren londoner Hotels Ritz aufgenommen  http://www.georgianjournal.ge/business/32085-georgian-orange-wine-added-to-the-new-wine-list-of-the-ritz-hotel  Chinuri (ausgesprochen Tschinuri) heisst auch die Weinsorte, die in Georgien heimisch ist. Es erscheint mir fast prahlerisch, aber es gibt mehr als 500 Sorten, die hier zuhause sind.

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Kvarelisee, Kachetien. Quelle: Internet

Let’s Kasbek

Der tifliser Hausberg, wenn ich das so sagen darf, ist der Kasbek. In 2,5 Std. ist man dort, er ist 5047m hoch. Erstaunlicherweise ein erloschener Vulkan, denn die Vulkane sind eigentlich sonst im Kleinen Kaukasus, im Süden, anzutreffen. Dennoch sind zwei der höchsten Berge im Grossen Kaukasus (Norden) ursprüngliche Vulkane: der Elbrus, 5642m, und eben „unserer“, der Kasbek. Er ist von mehreren Gletschern umgeben.

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Während heutzutage der Kaukasus als Bergsteigregion in der Schweiz in den Hintergrund gerutscht ist, erlebte dieser, so *Mario Casella in seinem Buch „Schwarz Weiss Schwarz“, in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts einen wahren europäischen Ansturm. Die Bergsteiger charakterisierten damals den Kaukasus als alpine Landschaft, die die Alpen „in seiner Grossartigkeit und Wildheit“ übertreffe.

Dieser Entwicklung voraus war allerdings der Engländer Douglas William Freshfield, der den Kasbek bereits 1868 mit einer kleinen britischen Truppe bestieg. Damals gab es noch keine Landkarten, um sich im Kaukasus zurechtzufinden. Diese Gipfeleroberung war der erste europäische Erfolg in gänzlich unerforschtem Gelände.
So Mario Casella, der es nicht unterlässt darauf hinzuweisen, dass auch viele Schweizer bei der damaligen alpinen Kaukasuseuphorie dabei waren: Als unabkömmliche Bergführer der berühmten Alpinisten. Das war bestimmt kein leichter Job, denn in ihrer Hand lag die ganze Unterstützungsarbeit einer Expedition. Sie hackten z.B. stundenlang Stufen ins Eis, damit aalglatte Eishänge begehbar wurden. Casella nennt sie alpinistische Söldner. Der Kaukasus wurde schon damals und erst recht damals als wild eingestuft. Es versteht sich von selbst, dass es auch viele Expeditionen gab, die tragisch endeten. Casella zählt zu Ehren der Schweizer Söldner eine lange Liste von Namen auf, die ihr Wissen und ihre Kunstfertigkeit der Erforschung und Entwicklung des Alpinismus zur Verfügung gestellt haben. Mit allen Konsequenzen.

Lasst mich zurück kommen zum Hausberg, der für mich mehr schön als gfürchig ist. Zu den BergsteigerInnen werde ich mich wohl nie zählen, das ist mir zuviel Adrenalin. Die Kasbek-Region ist heute die best erschlossene Wander-und Trekkingregion Georgiens. Mit den Wegweisern happerts zwar auch dort noch, Wacho und ich würden gerne mal ein Projekt eingeben zur Erstellung von Wanderwegweisern und dazu gehörigen Informationen. Na, schauen wir.

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*Mario Casella: Journalist und Bergführer aus dem Tessin. Im Winter 2008/09 durchquerte er mit einem russischen Alpinisten den Grossen Kaukasus von Ost nach West mit Schiern. Die vielen Abenteur, die sie auf ihrer rund 1100 km langen Strecke erlebten, hat er, zusammen mit politischen Hintergrundinformationen, in seinem Buch „Schwarz Weiss Schwarz“ festgehalten.