Wir gehören zu Europa!

Seit Samstag läuft in Tiflis ein 3-tägiges Fest zur EU-Visaliberalisierung ab 28. März. Und zwar in der frisch renovierten Europastrasse, wie sie seit kurzem heisst. Diese befindet sich im schönen Altstadtviertel Vorontsov, genannt nach dem gleichnamigen russischen Edelmann, der in der 2. Hälfte des 19. Jhdts viel für die Stadtentwicklung von Tiflis getan hat und hier sehr beliebt ist.
Im Fernsehen, es gibt hier unendlich viele Privatfernsehen, wurde angekündigt, dass es europäisches Essen geben würde – aus Deutschland, Frankreicht etc. – Wacho und ich hielten vergeblich nach europäischem Essen ausschau. Erst im späteren Gespräch mit Mina, Wachos Mutter, dämmerte uns, dass die Sandwiches, die an einem langen Stand angeboten wurden, das europäische Essen waren. Stimmt, die haben hier keine Tradition. Gleichzeitig zeigt mir diese Auswahl, dass das Wissen über europäisches Essen noch in den Anfängen steckt. Passend zum Anlass.

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Kurbäder und Tropfsteinhöhle

Ich komme nochmals auf Tzchaltubo zurück, den Heilquellenkurort in Westgeorgien. Das Bad in den Bildern oben, das aussieht wie ein griechischer Tempel, wurde in den 50er Jahren gebaut. Stalin hatte dort sein Privatplantschbecken mit Hintereingang. Als wir vor zwei Wochen dort waren, war das Gebäude noch in den letzten Zügen der Renovation. Das andere Bad mit Springbrunnen  war offen und gut besucht. Wer die Kunden sind? Hauptsächlich Frauen und Männer aus Russland, Kasachstan und Aserbaidschan. Und ein paar GeorgierInnen. Die Preise sind für hiesige Verhältnisse ziemlich saftig.

Und, 30 Minuten von den radonhaltigen Quellen entfernt, eine riesige Tropfsteinhöhle! Diese wurde in den 80er Jahren entdeckt, als man zu Zeiten des Kalten Krieges nach Höhlen suchte, die als Schutz gegen Atomangriffe dienen könnten. Gesamt ist die Höhle 21 km lang, 1,8 km sind seit 2011 für Besucher zugänglich. Mich beeindruckte die Prometheus-Höhle sehr. Die Luftfeuchtigkeit ist über 90% und für Asthmatikerinnen besonders wohltuend. Bei viel Regen und zu Zeiten der Schneeschmelze findet die geführte Tour teilweise mit dem Boot statt, denn der Wasserpegel steigt dann empfindlich an. Wir waren 70m unter der Erde, die Route wurde ab 2006 mit Hilfe von Deutschen entwickelt und technisch ausgebaut. Die klassisch-europäische Musik, die uns mit gut inszeniertem Licht begleitete war für mich passend, während Wacho sich nervte „…haben wir in Georgien nicht genug eigene schöne Musik?!“

Dies der Eingang zur Prometheus-Höhle, die Luft bereits mit Feuchtigkeit gesättigt
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das struppelige Haus, das uns auf dem Weg zum Höhlengebiet begegnet ist, möchte ich Dir nicht vorenthalten. Würde man ihm nicht am liebsten durch die Haare streichen?
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Keine Perspektive

Letzte Woche waren wir von der Schweizer Botschaft eingeladen zum Film “Sweet Girls” von Jean-Paul Cardinaux and Xavier Ruiz. Der Westschweizer Film wurde gezeigt im Rahmen des Internationalen Monats der Frankophonie. Es ging um zwei weibliche Teenies, die die alte Generation tilgen wollten, damit Wohnungen frei würden. Wohnungsnot herrschte in ihrer Siedlung am Genfer Stadtrand.

Der Film wollte eine Komödie sein, eine schwarze. Es war für mich sehr seltsam, in einem georgischen Kinosaal diese schön gepflegte Stradtrandsiedlung zu sehen, mit den zwei jungen Mädchen auf der Bank der Parkanlage, die fanden, sie hätten echt gar keine Perspektive in ihrem Leben.

Ausflug nach Imeretien

Die Region Imeretien liegt westlich von Tiflis – ohne Meeranschluss, aber die Luft ist lauer und allein der Gedanke, dass es nicht mehr weit zum Meer wäre, löst Ferienstimmung aus. Wir haben letztes Wochenende die Kleinstadt Tzchaltubo unter die Lupe genommen. Zu Sowjetzeiten war das DER Kurort, mit ca. 9 grossen Heilbädern, vielen Sanatorien, Hotels und rund 125’000 BesucherInnen pro Jahr. Das ist mächtig geschrumpft, aber ich würde sagen, mittlerweile wieder auf Wachstumskurs. Zwei der Bäder sind ganz neu gemacht, zwei andere sind in Renovation und wollen bereit sein auf die diesjährige Saison ab Mai. Das Wasser enthält unter anderem Radon und ist mit seinen ca. 32°C in der richtigen Dosierung wunderbar für Knochen, Gelenke und Gefässe. Wir haben’s ausprobiert!

Rund um den grossen, bestimmt einst prächtigen Park – man spürt an den breiten Strassen und ehrwürdig-hohen Bäumen die einstige Bedeutung dieses Ortes – hat es viele typische Wohnhäuser in westlich-georgischen Stil. Ich mag diese Häuser sehr mit ihren grossen Veranden, blühenden Gärten und ausladenden Treppen! Auch diese, Andenken an ökonomisch bessere Zeiten.

Bilder von den Bädern und Park sind mir leider im Moment nicht zugänglich

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Auf die Plätze, fertig, …

Es ist so weit, GeorgierInnen dürfen ab 28. März ohne Visum in die EU einreisen. Ohne Arbeitserlaubnis. Drei Monate Aufenthalt, dann drei raus und wieder dasselbe. Es war ein langer Weg, bis das Ja endlich kam. Es freut die Menschen sehr, es war ein grosses Thema, schon seit Jahren. Schauen wir, wie es sich entwickeln wird. Der interne Witz lautet: „Wenn du am Flughafen dann der/die Letzte bist, vergiss nicht das Licht hinter dir auszuschalten!“

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In einen Innenhof geblinzelt, Quartier Sololaki, Tiflis

Grosser Kaukasus im Winter

Bevor der Frühling kommt, hier noch ein Artikel von Manuela Kosch, Schweizer Journalistin, die Januar/Februar in Tiflis war. Sie hat mit uns Kontakt aufgenommen, so konnten wir mit ihr ein Stück Georgien teilen. Schön war das. Wir haben ein paar Abenteuer miteinander erlebt! – hier war sie mit Wacho auf Tour, bei harten Minustemperaturen aber perfekter Winterlandschaft. Der Artikel wurde im Where gedruckt, einem georgischen Magazin für Entdecker und TouristInnen, in Englischer Sprache – enjoy – oder geniesse einfach die Bilder 🙂
Wir danken herzlich für die Erwähnung von Georgien WB Tours im Artikel!

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Rustaveli und dahinter

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Die Rustaveli Avenue letzten Sonntag ganz ohne Autos – es war ein Genuss! die 4-spurige sonst stark befahrene Vorzeige-Avenue ganz für sich zu haben. Sie war für den Verkehr gesperrt wegen einer grossen Demonstration, die Fussgänger waren König, in Tiflis ein seltenes Gefühl. Rechts im Bild das Georgische Nationalmuseum, das sehr sehenswerte Ausstellungen hat.

Ich war alleine auf Pirsch. Eigentlich wollte ich die Kunstgallerie an eben dieser Avenue besuchen, stiess aber nur bis zum Museumsshop vor und wurde dann plötzlich informiert, dass die Gallerie schliessen müsse. Wegen der Demonstration. Eigentlich wollte ich diese Demo nicht näher beschreiben, aber ich komm glaub nicht drum rum. Also. Ein privater Fernsehsender wurde von der Vorgängerregierung (2004-2012) enteignet. Seit dem wurde der Sender zum Regierungssender und seit gut 4 Jahren ist er Oppositionssender. Der damals enteignete Besitzer hat vor einiger Zeit einen gerichtlichen Prozess eingeleitet, dass ihm der Sender wieder zugesprochen werde. Am letzten Sonntag versammelte sich nun der Teil der Bevölkerung auf der Strasse, der nicht will, dass der Besitzer wieder wechsle. Voilà. Im Quartier unterhalb der Strasse wartete ein grosses Polizeiaufgebot auf seinen Einsatz, alles verlief jedoch friedlich.

Ich genoss das schöne Wetter und liess mich von der Umgebung zum Fotografieren verführen. Lasst mich Euch ein bisschen davon zeigen. Schaut man von der Rustaveli Avenue auf die andere Seite, ist der Freiheitsplatz zu sehen, früher der Leninplatz. Der Heilige Giorgi (Georg) kämpft ganz in Gold auf der Säule in der Mitte mit dem bösen Drachen der Ungläubigkeit, der das Christentum bekämpft. Ein Märtyrer des 3. Jahrhunderts, dem leider mit einem Denkmal in faschistischem Stil gehuldigt wird.

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Gleich hinter den herrschaftlichen Häusern von Anfang 20. Jhdt spielt sich das Tiflis ab wie es auch, und vorallem, leibt und lebt. Es wird sofort um einiges einfacher und zugänglicher. Die Hinterhöfe sind verspielt anzuschauen. Das tägliche Leben im alten Quartier Sololaki, wo die Häuser z.T. mittlerweile gestützt werden müssen, damit sie nicht zusammenbrechen, ist wohl nicht ganz so romantisch. Die Stützen sind der erste Schritt zur Renovierung des Quartiers. Die Aussenmauern sollen erhalten bleiben, während dahinter Erneuerung stattfindet. Höchste Eisenbahn! es wäre schade, dieses wunderbare Stück Tiflis zu verlieren. Folgend ein Querschnitt, in ein Café bin ich auch noch eingekehrt…
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Schweizer Doppeldecker

Seit letztem Sommer schon verkehrt ein Doppeldeckerzug auf der Strecke Tbilisi-Batumi (Schwarzmeerküste). Jetzt sollen noch zwei dazu kommen. Brandneu, von Stadler Bussnang in der Schweiz gefertigt. Die hiesige Ausführung ist grösser als jene in der Schweiz, sie haben auf einer Seite 3, auf der anderen 2 Sitze. Wunderbar. Nach der Investition in neue grosse Busse nun also eine weitere gute Tat für die nationale Infrastruktur   http://agenda.ge/news/62564/eng

Doppeldecker zug georgien

wo Flüsse zusammenkommen

Seit ich letzten Montag in Mzcheta (Georgiens antike Hauptstadt) war, begleitet mich ein inneres Bild. Eine grosse Blume, eine Aster? schwebt über dem Fluss. Der Kopf im Himmel. Der Körper lang mit feinen Wurzeln, ab der Mitte baumeln sie runter. Erde klebt an ihnen und fast berühren sie das Wasser. Die Blume bewegt sich in Richtung der Strömung langsam vorwärts

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In Mzcheta finden sich zwei Flüsse. Der Mtkwari (Kura) und der Aragwi. Ersterer kommt von südwesten, der türkisch-georgischen Grenze. Der Aragwi kommt nördlich aus den Bergen, von 3000m Höhe. Zusammen fliessen sie dann als Mtkwari (Kura) durch Tiflis und später ins Kaspische Meer.

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Im Hintergrund auf dem Hügel die Dschwari-Kirche, Georgiens erste Kuppelkirche, 6./7. Jhdt. In die Wassermassen schauend spürt man wie die zwei Ströme einander durchdringen und sich beinah aufheben. Wo jetzt oben und unten ist? Wie’s weiter geht?

Das Wasser findet seinen Weg. Und es muss schön sein, so als Blume über dem Flussbett zu wandeln und zwischen den Bergwipfeln ins nächste Tal zu blinzeln