
Neue Tiflis-Touren, ich begleite grad selbst, so hats Genug Zeit für Fragen und Gespräche

Die Autos fahren! Ich traute meinen Augen nicht.
Am Montag in Kutaisi, grösste Stadt in Westgeorgien
Im Alasanital, der grossen Weinregion im Osten Georgiens, ist zur Zeit viel los, die Traubenernte ist in vollem Gange. Wir gingen Lekso, einen Winzer besuchen, der seinen Wein erst seit zwei Jahren in Flaschen abfüllt. Vorher machte er wie sein Vater Familienwein, das heisst, an Weihnachten/Neujahr begann man neuen Wein zu trinken. Qualitativ besseren Wein bekommt man jedoch, wenn man ihn 6 Monate dem natürlichen Filterungsprozess überlässt. Die traditionell-georgische Machart erklärt Dir Iago, Weinbauer aus der Region Kartli, Zentralgeorgien
Für die nicht Englischsprachigen: Wein entsteht hier in im Boden eingelassenen Tongefässen, Kvevri genannt. Nicht nur der Traubensaft, sondern die ganze Traube mit Stielen, Haut und Kernen geht da rein. Nach der Fermentierung, während jener wird immer wieder umgerührt, verschliesst der Weinbauer den Kvevri. In den nächsten 6 Monaten bewegt sich dann das gesamte Material langsam nach unten, ein natürlicher Filterungsprozess findet statt. Öffnet man den Kvevri, hat man klaren Wein, direkt zum Abschöpfen mit dem Glas. Clever, nicht wahr? Die Georgier machen das schon seit rund 8000 Jahren, so weit reichen die ältesten Funde von Weintraubenkernen im Alasanital zurück. Die UNESCO hat die georgische Produktionsart mit den Kvevris ins Weltkulturerbe aufgenommen.
Lasst mich zum Grappa kommen, da haben wir bei Lekso, unten im Bild mit Wacho, eine wunderschöne Entdeckung gemacht:

Seine Grappamaschine. Leksos Vater ist grad dabei, die Rückstände der letzten Grappaproduktion aus dem Loch zu schaufeln. Unter dem Loch ist eine Feuerstelle.
Grappa wird hier vom gesamten Material gemacht, das sich während des oben beschriebenen Filterungsprozesses im Kvevri während 6 Monaten nach unten gesenkt hat. Durch die Erhitzung entstandene Alkoholdämpfe und flüchtig gewordene Aromen kommen dann im Rohr, das durch den Brunnen läuft, zur Abkühlung. Am Schluss tröpfelt hochwertiger Grappa in den schwarzen Kübel
Wir probierten anschliessend einen Grappa, den Lekso zusätzlich im Eichenfass gelagert hatte: Ein sehr fruchtiges und Atem raubendes Wässerlein! Kalt hatten wir an diesem regnerischen Tag nicht mehr 😉
So, endlich etwas zur georgischen Küche! Dieses Jahr ist ein Kochbuch mit 90 traditionellen Rezepten erschienen, auf Deutsch. Wer schon mal in Georgien war, weiss, wie toll sowohl die vegetarischen als auch die Fleischspeisen schmecken. Walnüsse und Granatapfelkerne trifft man z.B. oft an.
Ich nehme ungern den Link von Amazon, aber er scheint mir der Verlässlichste

In der Schweiz war für mich klar, dass ich in Georgien reiten lernen würde. Als ich dann aber hier war, brauchte es nur einen Besuch im tifliser Hippodrom um mich das anders sehen zu lassen. Die Atmosphäre in der Reithalle war aufgeladen, die Pferde waren nervös, es roch für mich nach Gefahr. Das wollte ich mir nicht antun.
Rund um unsere Reisen, die wir anbieten, wurden wir jedoch schon dann und wann gefragt, ob es in Georgien Möglichkeiten gäbe zu reiten. Mit Beka, einem guten Freund von uns, wollten wir schon lange mal auf Reko gehen für Ausritte im Algeti-Nationalpark bei Manglisi. Martina, ein Gast von unserer letzten KompaktTour, brachte das Thema Reiten wieder aufs Tapet und – letzten Sonntag haben wir das Vorhaben zu viert umgesetzt. Ui, ein Abenteuer. Ihr wisst, ich mag das.
Manglisi liegt rund 50 km westwärts von Tiflis, auf 1200 m Höhe im Trialetigebirge. Zu Zeiten der Seidenstrasse eine wichtige Handelsstadt, heute ein Dorf mit ca. 3000 Einwohnern, u.a. ein Kurort für Lungenerkrankte. Dort angekommen, wurden Wacho, Martina und ich bei Bekas Familie nochmals gestärkt. Dann gings zu den Pferden – zwei Schimmel, ein Apfelschimmel und ein Brauner waren gesattelt. Wacho sass noch nie auf einem Pferd und ich hatte vor 25 Jahren mal eine Reitlektion genossen. Martina hatte einige Reiterfahrung, Beka als unser Guide war ein kundiger Reiter. Nun, mutig aufgesessen und los gings. 2,5 Std Ritt hatte uns Beka vorausgesagt, bis wir dann bei herrlicher Aussicht auf dem Berg Fisch braten würden.
Ich hatte die Apfelschimmelstute zugeteilt bekommen, sie war kürzlich Mutter geworden, das Fohlen kam auch grad mit. Also eigentlich kam der ganze Stall mit, denn zwei noch nicht ganz ausgewachsene Pferde schlossen sich unserem Trek ebenfalls an, plus die zwei Hunde des Pferdebesitzers, na das war ein Zug. Um es gleich vorweg zu nehmen, nach gut 3 Std Ritt mit einer Pause sah die Lage für das Fohlen so aus

Und auch wir hatten die Mittagspause dringend nötig. Unterwegs machten wir mal Pferdewechsel, denn ich brachte das Mami unter mir manchmal fast nicht mehr vorwärts – dass „Hü“ in Georgien „Hatschu“ heisst fand ich erst mit der Zeit heraus, manchmal brauchte das Fohlen aber auch Trinkstopps, für die zwei war der Weg durch die wunderschöne Natur mit einiger Steigung wohl grundsätzlich anstrengend. Als Wacho dann aber übernahm, ging das Ganze besser vorwärts.
Fazit der Reko: 1. Tour eher kürzer halten, denn nicht nur Wacho und ich waren abends ko; wir legten gesamt 14 km zurück 2. Den Algetinationalpark noch besser auskundschaften, wir wissen, er hat viel zu bieten 3. Jeder muss seinen eigenen Rucksack mit Wasser dabei haben, denn die Pferde lassen sich nicht so leicht lenken wie wir dachten
Zurück von unserer Tour, welche grossen Spass gemacht hat. Wir waren mit 6 Gästen unterwegs, wunderbar. Ich möchte nochmals auf das Naturschutzgebiet der Javacheti-Hochebene zurückkommen, welche Wacho und ich während unseren Privatferien unter die Lupe nahmen.


Die zwei Bilder oben zeigen den Saramosee in Abendstimmung, einer von 6 Vulkanseen auf rund 2000 m am georgischen Südgürtel zur armenischen/türkischen Grenze. Im Dorf Saramo, das auf dem zweiten Bild angedeutet ist, wird nur armenisch oder russisch gesprochen. Georgisch hat niemand verstanden, bzw. wollte niemand verstehen. Die Schulen in dieser Region werden von eingebürgerten Armeniern geführt, nur eine Stunde Georgisch pro Tag ist vom Staat vorgeschrieben. Im georgischen Pass der Bewohner steht, dass sie georgische Staatsbürger sind mit armenischer Nationalität. Integration ist hier kein Thema – vielleicht ist es realistischer, und ehrlicher. Das heikle an einer solchen Handhabung ist jedoch, dass die EinwohnerInnen irgendwann, und immer mal wieder finden, dass sie auf armenischem Territorium leben würden. Das kann zu Konflikten führen.
Nun zur Natur, die mich in dieser Gegend so begeistert. Neben der Weite (die Strasse ist übrigens nicht immer so perfekt wie hier auf dem Bild)
haben es mir die Seen angetan, welche zwischen ehemaligen Vulkanen und verjährten Lavaströmen ruhen und wahre Biotope sind. Meist gehören Sumpfflächen dazu und spannende Pflanzen

hier z.B. der Durchblätterte Erdebeerspinat, ein Gänsefussgewächs

Der See Madatapa ist berühmt für die vielen Wildvögel, die hier im Sommer oder ganzjährig die Stille geniessen. Er liegt unmittelbar zur armenischen Grenze

Den Karzachisee teilt sich Georgien mit der Türkei, zwei verschiedene Flamingoarten gehören zu seinen Sommergästen


Als 1952 die Türkei der NATO beitrat, war hier der Grenzstrich zwischen NATO und der UdSSR

Eine Gruppe Georgier-Armenier ist zum Baden gekommen, fast wären sie mit dem Auto ins Wasser gefahren_;)
Ich darf Dir flüstern, dass der Goderzipass erst gegen Ende unserer Ferien kam. Die Javacheti-Hochebene mit ihrer armenischen-georgischen Bevölkerung war noch mindestens eine Station vorher. Die Winter sind hier lang und kalt, 3x rate aus was dies Heizmittel ist!

Die Hochebene führte uns zu diesem Punkt, atemberaubend die Aussicht. Die Höhlenstadt Vardzia und die gleichnamige Schlucht von oben – einst wichtiger Weg der Seidenstrasse, für die, die nach Kleinasien abbogen und nicht übers Schwarze Meer wollten

Mehr dazu in rund 10 Tagen, Wacho und ich führen ab morgen wieder eine KompaktTour durch, wir freuen uns sehr!
Wir waren in den Ferien! Als erstes möchte ich grad die blumigen Schönheiten vorstellen, die wir allesamt beim Grünen Bergsee, auf rund 2000 m gesichtet haben. Goderzipass, Kleiner Kaukasus. Alle haben sie gemeinsam, dass sie nur im Kaukasus und höchstens noch in Kleinasien zu erleben sind. Die erste Blume kommt aus der Familie der Geranien, Kahlstaubblatt-Storchschnabel. Die zweite, gleich unten dran, ist eine seltene Glockenblume, die sich nur in Westgeorgien zeigt. Rechts davon im Hochformat der Siebenspaltige Enzian; darunter links, die Letschchumensische Glockenblume, ebenfalls nur in Westgeorgien zu haben. Rechts noch ein Hahnenfussgewächs, der Bedeckte Rittersporn*. Wenn Du in die Bilder klickst, hast Du sie gross
Sei ungetrost, den Grünen See und auch den Goderzipass muss man nicht kennen – selbst in Georgien sind das Orte, von denen längst nicht jede_r weiss! Die Goderzipasshöhe, 2025 m, ist nur 10 km Luftlinie von der türkischen Grenze im Süden entfernt, 75 km gehts noch bis zur georgischen Schwarzmeerküste westwärts. Wir befinden uns im Meschetischen Gebirge, eines der 8 Teilgebirge des Kleinen Kaukasus. Viele der Sommerbehausungen waren bereits versiegelt, doch nicht alle kehrten schon zurück ins Tal



Von Anfang 17. Jhdt bis Ende 19. Jhdt war diese Region ganz in türkischer bzw. osmanischer Hand, was bis heute spürbar ist, die Menschen sind muslimischen Glaubens. Nach einer nochmaligen kurzen Besetzung von 1918-1920 überliessen die Türken Ajara, so heisst du Region, den Russen, mit der Auflage, dass den Muslimen Autonomie zugestanden werde. Ajara hat bis heute Teilautonomie innerhalb Georgiens, in Batumi, der Küstenstadt, tagt das adjarische Parlament. Im städtischen Gebiet sind mittlerweile über 70 % christlich-orthodox, während im Hinterland, in den Höhen, weiterhin sunnitische Muslime leben. Auf der Passhöhe eine ganz pragmatische Moschee

weiter unten, wir befinden uns bereits in subtropischem Klima westwärts, ein schöneres Exemplar

und hier noch die Auflösung zum Grünen See, der sah aus wie folgt. Der Wasserspiegel des Quellsees lag tief, kein Wunder bei diesem trockenen Sommer


to present:
ein Artikel über uns, Georgien WB Tours im weiteren Sinne, auf GlobeSession.com, das online Magazin für Reisen, Lifestyle und Kultur
https://www.globesession.com/reisen/outdoor-reiseland-georgien
wunderschön, dass das möglich wurde. Danke, Martin Hoch!
Die Urhebernennung fürs Titelbild des Artikels mach ich gleich hier, Nicolas Glauser / travelita.ch

Wie schon gesagt, wir hätten günstig Wassermelonen abzugeben

Yes, we’re a modern town

Das Büsi nimmt höchstpersönlich die Kundenwünsche entgegen. Und ja, also mehrsprachig wäre sie auch