Anthroposophisches Therapiehaus

Wer hätte das gedacht? In einem Aussenquartier von Tiflis, San-Zona, gibt es ein anthroposophisches Therapiehaus. Dies geht auf den Giftgasangriff der Russen im 1990 zurück, als die GeorgierInnen für ihre Unabhängigkeit auf die Strasse gingen. Die Giftgasopfer wurden damals von deutschen anthroposophischen ÄrztInnen behandelt. Aus diesem Einsatz heraus wurde dann das Therapiezentrum gegründet. Es deckt sehr viele Bereiche ab: Allgemeinmedizin, Gynäkologie, Labor, Ultraschall, Kunsttherapie, Rhythmische Massage etc. und einen hauseigenen Kräutergarten. Aus diesem habe ich einen sehr guten Ringelblumentee bekommen. Etwas seeehr wertvolles: es gibt dort zwei georgische Ärztinnen, die Deutsch können.

20150717121707

20150717121923

20150717121951

20150717115047

Das letzte Mal strolchte ich dort noch ein bisschen in der Gegend rum. Das Therapie-Haus ist 100m von einer grossen Strasse entfernt. Hinter ihm fand ich ein ganz einfaches Quartier. Eine Backerei, die nicht mal angeschrieben war und ein kleiner Lebensmittelladen. Die Atmosphäre war von jeglichem Grossstadt-Glamour weit entfernt. Jedoch friedlich und mit schöner Aussicht. Siehe ganz unten auch den roten Basilikum, der hier in den Gärten angepflanzt wird. Sehr reizvoll im Geschmack.

20150717123211

20150717122709

20150717122407

20150717123643

20150717123927

20150717123850

Meine Freundin

Am Sonntag vor einer Woche habe ich sie kennengelernt. Zuerst dachte ich, sie gehöre zu einem Mann, der hinter ihr spazierte. Wir gingen ein Stueck Weg zusammen und irgendwann schaute ich zurück, wo denn ihr Herrchen sei. Da war keiner weit und breit. Sie begleitete mich bis zum Park, wo ich und Wacho sonntäglich joggen. Leider kann mich Wacho im Moment nicht begleiten, weil er sich ein Bandscheibenleiden zugezogen hat. Sie rannte mit mir die wenigen Runden, die ich letzten Sonntag vermochte. Sie ist weiss. Nicht strahlend weiss, denn sie ist eine Strassenhündin. Aber hübsch. Das fand auch ein schwarzer Labrador, der sich ihr, immer wenn sein Herrchen uns kreuzte, spielerisch zuwandte. Sie hat am Bauch gut sichtbare Zitzen. Ihre Mutterfreuden sind vermutlich noch nicht allzu lange her. In der Baumlichtung, nach dem Rennen, legt sie sich hin und lässt mich meine Übungen machen. Es ist schön, Tai Chi in dieser neuen Umgebung zu praktizieren. Als ich beim Dehnen fast auf dem Boden sitze, legt sie ihre Vorderpfoten zärtlich auf meinen Oberschenkel. Ich bin verdutzt, denn ehrlich gesagt habe ich nicht viel Erfahrung mit Hunden. Mit dem Gebiss umfasst sie sanft meine Hand und schliesst die Lippen. Ich habe keine Angst, es ist einfach neu.
weisser-hund-4710e367[1](so ähnlich sieht Chatuna aus, nur ein wenig älter…)
Ob ich sie wieder sehen werde? Fragte ich mich heute morgen auf dem Weg zum Park. Sie kann ja nicht wissen, dass heute wieder Sonntag ist. Und da, plötzlich, ein weisser Hund, und ja, sie ist es. Wir erkennen uns gegenseitig und freuen uns. Sofort legt sie sich auf den Rücken und zeigt mir ihren Bauch. Ich habe noch nie einen Hundebauch berührt. Sich mir so zu schenken. Wunderschön. Im Gegensatz zu ihrem staubigen Fell ist ihre Haut sehr zart, weich und warm. Ich spüre die inneren Organe. Welch Zutrauen.

Zusammen gehen wir zum Park. Heute kann ich schon zwei Runden mehr rennen, ich bin wirklich wieder kräftiger. Chatuna (georgischer Name), so nenne ich meine weisse Freundin, hat heute einen ebenfalls weissen Spielgefährten. Ein schönes Bild, hier unter den grünen Bäumen. Als wir den Park verlassen, wende ich mich ihr zu, knie mich runter und streichle ihren Kopf. Mit einer flinken Bewegung liegt sie bereits wieder auf dem Rücken und streckt mir alles von ihrem Körper entgegen, das sonst so gut geschützt ist. Ich lege eine Hand auf ihren Bauch und die andere auf ihre Brust. Ich höre ihren Herzschlag. Den Kopf hat sie zurück gebogen und die Augen geschlossen. Sie nimmt diese Berührungen auf, als hätte sie so etwas schon lange nicht mehr genossen. Ich fühlte tiefe zärtliche Gemeinschaft.

Nachtrag Wochenendhaus

Dorf ist fast zuviel gesagt, denn es gibt eine Strasse, an der 18 Familien wohnen. Einwanderer aus Russland, wohl etwa die dritte Generation. Wachos Vater hat das Haus vor 30 Jahren gekauft, ohne dass es von der Familie viel benutzt wurde. Wacho und sein Onkel haben dort eine Zeit lang gewohnt.

Die Einwohner_innen kommen ueber die Runden, indem sie Kuehe, Schafe und einen Garten haben. Pilze sammeln ist auch eine beliebte Beschaeftigung. Diese gibts hier in grosser Menge das ganze Jahr hindurch. Einen kleinen Laden hat`s auch.
Ganz oben auf dem Huegel war waehrend der Sowjetzeit ein Militaerstuetzpunkt mit Radaranlage. Nach dem Zusammenbruch haben die Georgier die Anlage als Flughafenradar umgenutzt. Waehrend des Krieges mit Russland im 2008 wurde diese Anlage von den Russen gebombt. Kein Haus im Doerflein hatte noch ganze Fensterscheiben. Sonst blieb aber alles mehr oder weniger heil.
Die zwei anderen Doerfer in der Naehe waren seit jeher georgische Doerfer.

Wochenendhaus oberhalb des Tiflis-Sees

Für was all die Drähte in der Luft?

IMG_20150702_140954

Auch hier ist die Kommunikation digital, sogar noch digitaler als in der Schweiz. Das Justizministerium schreibt mir per sms, dass ich die 1-jährige Aufenthaltsbewilligung abholen kann und auch die Bank informiert mich per sms über Überweisungen.

Seit gestern kann man 0 und kein Fernsehprogramm mehr empfangen ohne digitalen receiver. Leute ohne Geld können sich bei der Gemeinde melden, dann wird ihnen ein solcher geschenkt.