Swanetien

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Mestia, die Hauptstadt der Region Swanetien, liegt rund 550 km nord-westlich von Tiflis, 1500 m ue. M.. Ich war ueberrascht, wie herausgeputzt und westlichem Tourismus angepasst der Ort daher kam. Es hatte auch wirklich viele TouristInnen (Italiener, Deutsche, Amerikaner etc) ausgeruestet mit Wanderschuhen und Rucksack, wie das im Westen ueblich ist. Spaeter erfuhren wir, dass ein Verein mit Deutschen Wurzeln seit gut 10 Jahren die Region touristisch stark foerdert. Hotelbesitzerfamilien, Bergfuehrer, Pferdetrekking-Verantwortliche und andere mehr erhielten Ausbildung und kontinuierliche Unterstuetzung. Nun, man hat es der Region angemerkt. Die Natur dort muss nicht mehr ausgebildet werden, sie ist mit ihrem hoechsten Berg Georgiens (Schchara 5068m), den vielen Gletschern, Fluessen und Waeldern wirklich eindruecklich.
Die Swanen sind eines der vielen Voelker im Kaukasus mit eigener Sprache, die nur muendlich weitergegeben wird. Offizielle Sprache ist Georgisch und alle sprechen diese fliessend. Anfang der 90er, waehrend dem Buergerkrieg, war Swanetien eine Region, die unzugaenglich war fuer Polizei und Nicht-Swanen. Sie regierte sich selbst durch privat organisierte Banden. Die Swanen fuehlen sich jedoch als GeorgierInnen, nie reklamierten sie die Unabhängigkeit.

Wacho, der ein begeisterter Off-Roader ist, kam ebenfalls auf seine Rechnung, denn der Weg von Mestia nach Uschguli dauert fuer 56km rund 2,5 Stunden. Auch mir gefiel das Fahren ueber Stock und Stein, nur der Ruecken litt leider mit der Zeit. Klicke auf den folgenden blauen Link und du kannst mit uns mit Patschuka vom Schchara zurück durch die schöne Landschaft fahren https://www.youtube.com/watch?v=oq0ZsdEhyNo
Uschguli ist das hoechstgelegene Dorf in Europa, das ganzjaehrlich bewohnt ist (2200 m. ue. M.). Der Berg Schchara liegt 8km vom Dorf entfernt.
So am Ende der Welt schauen die BewohnerInnen ihrer Seele gut: Als wir am spaeten Sonntagnachmittag vom Schchara zurueck kamen, war der Sohn unserer Gastgeberfamilie kurz zu Besuch. Der Vater holte kurzerhand seine (georgische) Gitarre aus der Ecke und alle anwesenden Familienmitglieder sangen ein wunderbar einfaches Liebeslied miteinander. Fuer uns, die wir erschoepft im Stock obendran auf dem Bett lagen, klang es paradiesisch.

Klicke auf diesen blauen Text, dann kommst du zur Bildergalerie rund um Swanetien. Klicke auf das erste Bild, und du hast alles in Grossformat (navigiere mit den Pfeilen rechts und links durch die Bildergalerie). Unter den Bildern findest du meine Kommentare. Um die Galerie wieder zu schliessen, klickst du links oder rechts oben auf das Kreuz.

Zurück

Zurück von den Bergen und dem Schwarzen Meer. Es war für mich das erste Mal von den Ferien nach Hause zu kommen und meiner Umgebung nicht frisch von der Leber meine Eindrücke und Erlebnisse mitteilen zu können. Da sass ich bei meinen Schwiegereltern am Tisch und wollte erzählen und es ging nicht. Fand die georgischen Worte nicht und zum Schluss kamen Tränen. Fühlte mich wie ein Fisch im Wasserglas.

Mittlerweile haben Wacho und ich die täglichen Georgischstunden wieder aufgenommen und ich senke mich weiter ins Laub ungewohnter Wörter, Wortwendungen und Lebensweisen (wobei mir letzteres wesentlich leichter fällt). Es scheint mir, als hätte eine zweite Phase begonnen: Es war schön, mit Wacho in unsere gemeinsame Wohnung zurück zu kommen. Das Neue ist bereits gewohnt und alles was ich tun kann, ist das Begonnene weiterzuführen. Wacho und seine Familie unterstützen mich sehr.

Im Moment haben wir bei 20° leichten Regen, welch Wohltat nach all den heissen Tagen. Meine Haut ist gebräunt wie schon lange nicht mehr. Bald werde ich euch Bilder von Swanetien, zwei Canyons im Unterland und the Black See zeigen. Unsere Ferien waren wunderbar abenteuerreich

Hier dürfen Autos noch Kühe sein

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Dies ein Bild von unserem Küchenfenster. Hier haben Parklinien irgendwie nicht die selbe Bedeutung wie in der Schweiz – und auch die Fahrtrichtung wird locker interpretiert…

Wir gehen morgen für eine Woche in die Berge, um uns die Sicht auf Autos ein wenig abzugewöhnen. In Swanetien, Westgeorgien, sollte es etwa so aussehen:

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Es freut mich übrigens sehr, dass so viele von euch meinen Blog besuchen. Und eure Rückmeldungen sind noch schöner

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Politisches

Ich wurde per email gefragt, wie in Georgien die Aktivitäten der Türkei gegenüber den Kurden gesehen werden. Ja, Georgien hat eine gemeinsame Grenze mit der Türkei. Und das war’s dann schon mit den Gemeinsamkeiten. Interesse und Sympathie für muslimische Völker sind in Georgien ziemlich abstinent, habe ich den Eindruck. Niemand wünscht, dass im Ausland Blut vergossen wird, gleichzeitig wird für keines dieser Völker eine Träne verschenkt.

Zu oft wurde das Gebiet des heutigen Georgiens in der Vergangenheit von Persern, Mongolen, Arabern, Osmanen und Türken angegriffen und unterjocht. Seit dem 4. Jhdt bekennt es sich zum Christentum und hat sich seine Religion standhaft und unter vielen Opfern bewahrt. Wobei das nicht heisst, dass heute für die orthodoxen Nachbarstaaten, Armenien und Russland, grössere Sympathien beständen als für die muslimischen. Ursprünglich waren diese durchaus erwünschte, potenzielle Verbündete gegen die muslimische Welt. Russland enttäuschte jedoch erstmals im 1801 und dann 1921 nochmals. Für was einen kleinen Staat schützen, wenn man ihn sich grad ganz unter den Nagel reissen kann? Und Armenien hat 1918 enttäuscht, als die kaukasischen Staaten unabhängig wurden. Kaum waren die Russen abgezogen und Georgien damit beschäftigt seine Grenze gegen die Türkei zu schützen, eröffnete Armenien einen Grenzkrieg, den Georgien jedoch noch im selben Jahr gewann. Wem also kann man und frau vertrauen? Niemandem.

Heutzutage gibt es vereinzelt Afrikaner, Inder und Pakistani, die nach Tiflis kommen um zu studieren. Die GeorgierInnen verstehen nicht, warum sich diese hierher verirren und würden sie gerne wieder zurückschicken. Diese Haltung hab ich von einem Taxichauffeur gehört als auch von meiner näheren Umgebung. In der tifliser Altstadt befinden sich Kirche, Moschee und Synagoge in unmittelbarer Nähe. Für Touristen der Kassenschlager, als gemaltes Bild. Reelles Sinnbild für ein anerkennendes gesellschaftliches Miteinander ist es aber sicher nicht. Das Nebeneinander entstand, weil Tiflis politisch und ökonomisch auf diese Bevölkerungsteile angewiesen war.

Von viel grösserem Interesse als was die Türkei macht, ist für die GeorgierInnen jedoch was Russland tut. Die neuerdings offizielle russische Grenzziehung, die Abchasien und Südossetien klar russisch zeichnet, lässt Georgien aufheulen. Aber mehr als ein Heulen wird es nicht, kann es nicht werden. Zu gross ist die russische Übermacht. Niemand wäre hier überrascht, würden die Russen ein drittes Mal einmarschieren. Aber lassen wir der Zeit und ihren Entwicklungen ihren Lauf. Wer weiss, was aus der Dunstwolke einer zukünftigen EU Zugehörigkeit wird?

Tiflis hat zwei Seen und ein Meer

Der Kus Tba (Schildkroeten See) ist natürlich entstanden. Er ist der kleinste und gleichzeitig teuerste der drei nahe gelegenen hiesigen Bademöglichkeiten. In einem der eleganten Kaffees an seinem Ufer eine Latte Macchiato zu trinken kostet immerhin 7.50 Lari, ca. 3.50 CHF. Der Kus Tba ist zuoberst auf dem Vake-Huegel, oestlich in der Stadt.

Rund um den See gibt es einen betonierten Weg, der viele JoggerInnen anzieht. Wobei am Kus Tba das Joggen anders funktioniert als sonst: Hier reicht es, schoene Joggingschuhe und die passende Kleidung anzuziehen. Eine Freundin oder einen Freund mitnehmen und gemaechlich spazieren, und schon stellt sich die Ausdauer von selber ein. So darf ich vermuten, denn Wacho und ich waren damals fast die einzigen, die tatsaechlich joggten 😉

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ussicht vom Wake-Huegel

Der See ist durchaus zum Baden, auch wenn die Fotos das nicht unbedingt vermuten lassen. Ich machte sie an einem nicht so warmen Tag im Juli

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edalos stehen bereit

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Ein idealer Tag zum Fischen

Der Lissy See ist schon ein bisschen groesser und eher der Familiensee, ebenfalls natürlich entstanden. Westlich gelegen, auf dem Saburtalo-Hügel, 5 Minuten mit dem Auto von unserer Wohnung.

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schoene Akazienumgebung, mit sehr lauten Grillengeräuschen. Ich fühlte mich hier erinnert an Familienferien in den 80ern, im Südfrankreich. Es war einfach nur heiss und damals, in meiner Jugendzeit, war das für mich etwas seltenes und wohliges

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Und jetzt kommt das Sahnehäubchen, das Meer von Tiflis (Tbilisis Zchva). Es leuchtet mir völlig ein, dass eine Millionenstadt wie Tiflis ein eigenes Meer haben muss. Die Städte Batumi und Poti mögen das Schwarze Meer haben, wir hier haben unser eigenes.

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Bild von Wikipedia

Das „Meer“ dient der Stadt als Wasserspeicher, ca. 650 m. ue. M. In den 50ern leitete man den Fluss Iori in das bereits bestehende Becken des heutigen Meers. Gewisse Teile der Stadt beziehen heute von dort ihr Trinkwasser. Wir in Saburtalo haben das Wasser aus dem Kazbegi-Gebiet. Der Kazbegi ist mit seinen 5047m der zweithöchste Berg Georgiens.
Hier Impressionen von unseren Badeausfluegen am Meer

1. August

Am 31.7. lud die Schweizer Botschaft zur 1. Augustfeier ein. Ich dachte es sei etwas im engeren Kreis, aber ne. In einem umfunktionierten schicken Restaurant am Hügel des ebenso schicken Vake-Quartiers waren Gäste aus Diplomatie, Politik und Wirtschaft geladen. Und alle, die sonst mit der Schweiz etwas am Hut haben, z.B. der georgische Premierminister und ich.

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Das Empfangskomitee: Links der scheidende Schweizer Botschafter, Günther Bächler, mit seiner Frau (jede_r Botschafter_in darf max. 4 Jahre in einem Land bleiben), gefolgt von seinem Stellvertreter mit Frau, der die nächsten 2 Jahre weiterhin da sein wird und den Neuen einführt (er ist nicht ganz unschuldig, dass ich zu meinem aktuellen Job kam… Grazie Herr Gubler)

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Speach des Botschafters, mit grossem Dankeschön an Georgien

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His Excellency the Prime Minister Irakli Garibashvili (nicht wirklich ein guter Redner)

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Und natürlich the Buffet (sah besser aus als es schmeckte). Dazu gab es exzellenten Schweizer Weisswein und Rosé. Live Musik war auch da, es wurden unverfängliche popige Hits aus aller Welt gespielt.

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So schreibt sich „Schweiz“ auf Georgisch. Ausgesprochen „Schweizaria“.

6 Wochen Ferien

Ja! bis Ende August habe ich Ferien. Logos, das private Gymnasium, in dem ich arbeite, hat überraschend bezahlbare Räumlichkeiten gefunden, um die Schule signifikant zu vergrössern. So hat sich für die bestehenden MitarbeiterInnen der Fokus sehr verlagert und alle sind mit der kommenden Veränderung beschäftigt. Für mich bedeutet es jedoch Ferien, denn es wurde befunden, dass ich bei der Vorbereitungsarbeit nicht wirklich nützlich sein könne. Um lokal bei der Organisation mitzuwirken, sind meine Georgischkenntnisse leider noch zu wenig fortgeschritten. Wir verblieben mit der Win-Win Vereinbarung, dass meine Lohnerhöhung erst im September statt im Juli erfolgen wird, dafür bin ich von jeglichen Aufgaben bis Anfang September entbunden. Dann werde ich mit zwei neuen Englisch-Lehrerinnen aus den USA in die Details der Studienberatung eingeführt werden. Für mich tipptopp, ich geniesse den georgischen Sommer.

James Bond

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Im Zusammenhang mit  dem kommenden neuen James Bond Film fällt mir eine lustig-schräge Geschichte ein. In den ersten Wochen als ich hier neu angekommen war, erzählte mir Wacho, dass es Kollegen von ihm gab, die im Vorfeld meines Kommens folgendes vermuteten: Ich müsse Schweizer Geheimagentin sein. Warum sollte ich sonst in dieses Land kommen, wenn nicht, um mich durch Wacho in die georgische Gesellschaft einzuschleusen um an noch unbekannte Informationen zu gelangen? Als Schweizerin waren mir solche Gedanken völlig fremd und ich musste lachen. Gleichzeitig erkannte ich, wie unterschiedlich die Denkweise hier zu meinen bisherigen Erfahrungen sein kann. Es waren glaub nur zwei Leute, die das allen Ernstes dachten. Für die meisten anderen bin ich wohl eher einfach verrückt. In Georgien UND in der Schweiz.

Kraftort

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(Guramishvili Avenue)

Zwischen dem Anthroposophischen Therapiehaus und der nahe gelegenen Metrostation Grmagele habe ich einen Kraftort entdeckt. Kennst du das? Es wird einem ganz leicht, wenn man in einem Kraftort steht. Die Luft scheint wärmer und ein Gefühl als gehe man auf Watte stellt sich ein. Zumindest ist das so bei mir 😉
Gleich an der lauten Guramishvili Avenue, hinter einem alten Haus. In Zürich waren für mich der Röntgenplatz und der Lindenhof Kraftorte

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