Infofasten

Diesmal hab ich sie nicht angekündigt, meine Meditationsauszeit. Denn ich wusste nicht, ob ich es auf die Reihe kriegen würde, mein Projekt. 3 Tage zuhause alleine meditieren. Nicht im Gruppenverbund mit klar vorgegebenen Regeln, sondern mich alleine organisierend.

Erstaunlicherweise hat es sehr gut geklappt. Ich glaube, meine Sehnsucht nach Ruhe und Stille und Loslassen war so gross, dass ich da einfach traumwandlerisch reinsegelte. Ins vertiefte Meditieren ohne zusätzliche Beschäftigung ausser jener, mich zu ernähren. Informationsstopp – ausser dem was ich sah und hörte vom Gagariniplatz, dort wo wir wohnen. Wacho war auf Tour mit einem deutschen Ehepaar, ich packte die Chance beim Schopf.

Auf dem Papier sah das Programm so aus: 6-8 Uhr meditieren, 8-10 Frühstück und Pause. 10-12 meditieren, 12-14 Uhr Mittagessen und Pause. 14-15:30 meditieren, 15 Minuten Pause, 15:45-17:15 meditieren. Abendessen und Pause, Nachtruhe. Tatsächlich sind die Pausen zum Teil länger geworden mit Kochen, Essen, Verdauen, die Meditationspensen konnte ich trotzdem gut einhalten, 7 Stunden täglich.

Schon erstaunlich, was in drei Tagen möglich ist, auch wenn es eigentlich nur der Anfang wäre. Themen, die mich auch im Alltag beschäftigten, wurden vom Hirn bearbeitet. Aber es entstand auch Raum für Ebenen, die im Alltag fast keine Chance haben: Der Tod, die Kindheit, ganz aus dem Blickfeld geratene Lebensspannen kamen wieder ans Licht. Und das alles von alleine. Eigenaktivität des Hirns, meiner Seele, meines Wesens. Natürlich immer eingebettet in die Meditationstechnik von Vipassana*, die einen einlädt mit der Energie im Körper zu bleiben, in ihm zu fliessen. Wobei auch die Zeit dazwischen, die Pausen, nicht unterschätzt werden darf.

Sehr spannend fand ich, wie das Hirn die Alltagsthemen, welche eigentlich ausschliesslich Beziehungsthemen waren, anging. Pro Thema entstanden  Auslegeordnungen, die neue Empfindungen und Einsichten zuliessen. Die Karten wurden zusammengestossen, neu gemischt und wieder sichtbar gemacht. Wie nebenbei. Für die Kernthemen wurden mir sehr brauchbare Vorschläge präsentiert, wie ich damit im Alltag weitergehen könnte. Einfach so. Geschenk.

*Sehr alte indische Meditationslehre, jenseits von religiösen Grenzen. Siehe auch das Buch „Die Kunst des Lebens / Vipassana-Meditation nach S.N. Goenka“ von William Hart

Wandern & Kultur

im Kaukasus! Vom 29. September bis 8. Oktober haben Wacho (45) und ich (48) eine tolle Wandertour geplant – kommst Du mit? Zwei weitere Interessenten haben wir schon, 5 möchten wir mindestens gerne sein, ohne uns mitzuzählen. Die Wanderungen sind eher leicht, das ermöglicht Dir die Natur zu geniessen und Zeit zum Staunen zu haben. Jeden Tag ca. 3 Std. in Bewegung, nach drei Tagen gibt’s einen Ruhetag. Lerne Georgien kennen wie es leibt und lebt.

Zuerst sind wir im Kazbek-Gebiet im Norden, zur russischen Grenze. Wir entdecken die alpine Landschaft rund um den Berg Kazbek, ein ehemaliger Vulkan, 5047m. Die Seitentäler, die wir bewandern, sind um die 2000m hoch.

 

Danach lernst Du auch den Süden Georgiens kennen, das Gebirge ist dort weniger hoch und mindestens so faszinierend! Entdecke auch die Höhlenstadt an der Grenze zu Armenien und der Türkei. Es ist kein Geheimnis, dass die GeorgierInnen gerne geniessen. Das vielfältige gesunde Essen und der eigene Wein, der hier grosse Tradition hat, wirst Du sehr schnell ins Herz schliessen – der Link zur Reise https://georgienwbtours.com/2016/12/13/trekkingtour-grosser-kleiner-kaukasus/, das detaillierte Reiseprogramm https://georgienwbtours.com/2016/12/13/trekkingtour-im-detail/

 

Wir freuen uns auf gemeinsame Abenteuer mit Dir! Kontakt

Sommer oder Ofen?

Seit gut einem Monat haben wir hier sehr sommerliches Wetter, das heisst, es ist sehr warm. Anders als die vergangenen zwei Sommer, die ich in Tiflis erlebt habe, ist es diesmal mit regelmässigem Regen in der Nacht leider nix. An der Küste im Westen und nördlich in den Bergen ja, aber in der Hauptstadt verliert der Himmel dieses Jahr keine Träne. Das mit den Temperaturangaben ist so eine Sache. Die offiziellen Zahlen gehen meist nicht höher als 33°/35° C. Die privaten zeigen jedoch Temperaturen bis gut 40° – und das erscheint mir realistischer. Mina, meine Schwiegermutter, meinte so nebenbei, dass die Arbeit ab 40° gesetzlich verboten sei, darum erscheine diese Zahl nie in den öffentlichen Angaben.

Nun, zum Glück haben wir den Tiflissee, oder, wie er offiziell heisst, das Tiflismeer. Ein wunderbarer Sonnenuntergang, Wacho und ich strahlend –

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aber glaubt mir, so frisch wie wir aussehen sind wir nicht mehr wirklich – wir freuen uns auf Ferien und Erholung!

An diesem Abend, als wir im See schwimmen waren, packte Beka, vorne im Bild, plötzlich zwei Angelruten aus und Fischen war angesagt. So Angelruten mit Netzen vorne
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das klappte wunderbar, es ging nicht lange und wir hatten eine kleine Portion Fisch zusammen, die wir dann zuhause braten gingen
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zuerst mit georgischer Zitrone mariniert, dann in salzigem Maismehl paniert und hopp, in die Pfanne
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mmmh, gut wars.

Um uns langsam an Ferien zu gewöhnen, gehen Wacho und ich ab morgen für drei Tage nach Kvischiani, oberhalb vom Tiflismeer, wo Wachos Schwester mit Kind und Kegel fast den ganzen Sommer verbringt
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Tbilisi Lake
à plus tard 😉

We’re different

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fabrika

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Auch das ist Tiflis. Im Hinterhof der Fabrika trifft sich das progressive Volk. Läden der georgischen Kreativbranche, hippe Restos, cooler Sound. Zu Sowjetzeiten eine Textilfabrik, ist die Fabrika heute ein Hotel, das die Fabrik weiterhin in sich trägt und ein hybrid-aktuelles Geschäftsmodell führt: Von Hostelräumen (Mehrbettschlafbuden) fürs Studentenbudget über funktionale Doppelzimmer bis zum feinen Appartment mit Galerie und Kochnische werden verschiedene Kundensegmente abgedeckt. Well done, nur: Leider gehört das Fabrika zur Adjara Group. Der gehören viele grosse Hotels und der gesamte Casinobestand Georgiens. Interessant. Alternativ-progressive Lebensräume entstehen auf dem Boden ultrakapitalistischer Organisationen.

Simsalabim

Im Winter waren es Orangen und Mandarinen – hier auf einem Bauernmarkt in Kachetien, Ostgeorgien
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Im Sommer sind unter anderem Wassermelonen dran, meist aus Kachetien angeliefert. Wer dort einen Verwandten hat, verwandelt sich temporär in einen Melonenverkäufer. Kofferraum auf und los geht’s

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wassermelonen

bei uns, im weiteren Quartier

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Übrigens. Die Georgierinnen machen aus allem Eingemachtes. Seien es z.B. Nüsse inkl. der grünen Schale, Rosenblätter, oder – Wassermelonenschalen. Alles machen sie in Zuckerwasser haltbar – letztere sind knackig und frisch! so aus dem Glas gezogen.

Saburtalo – ein Quartier mit vielen Gesichtern

Komm, spazier mit mir. Ja, da geht’s grad mal ziemlich rauf. Frag mich nicht wie die das im Winter machen, irgendwie gehts

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Wir sind in meinem Quartier, oobe duure. Dort wo viele AserbaidschanerInnen wohnen, wobei ich gestern auch einen Osseten und eine Georgierin auf der Bank vor ihrem Häuschen traf. Gerne würde ich mehr Bilder von Menschen in meinem Blog zeigen, aber es ist für mich nur selten stimmig zu fragen, ob ich ein Foto machen darf. Ich geniesse es durch die Strassen und Strässlein zu schlendern, Menschen wahrzunehmen, mal ein Grüezi auszutauschen oder einen Blick, eventuell ein Gespräch, oder ein Kind erzählt mir von seinen Abenteuern. Hunde bellen und eine Katze schaut von der Mauer runter

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wo man hinschaut, es wuchert und wächst

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bank_of_georgiavom Oobe duure ins Unde duure, ein Vorzeige-Sowjetbau der 70er Jahre. Auch hier wucherts. Damals das Departement für Verkehr, heute ist’s der Hauptsitz der Bank of Georgia.brutal

plattenbauten_tiflisnochmals eine Verschiebung, ein bisschen weiter westlich von meinem Dähei, wir sind wieder oobe duure – ebenfalls Sowjetära. Die im Westen berühmt-berüchtigten Plattenbauten. Immerhin bekamen dazumal alle eine Wohnung.passerelle_tiflisLeider ist die Chose heute von nah besehen ziemlich deprimierend. Zumindest von aussen. Man darf nicht vergessen, dass die Hülle dem Staat gehört, die Wohnungen jedoch Eigentum der BewohnerInnen sind. So kann es durchaus sein, dass mit dem Öffnen einer Wohnungstür die Welt wieder anders aussieht. Trotzdem, ich war schockiert. Die trostlose Wuchtigkeit machte mir geradezu Angst. Wacho hingegen fand meine Reaktion seltsam: Wo hast du denn bis jetzt hingeschaut? Halb Georgien lebt so. brutal_architektur

Durch Berg und Tal

Zurück! Was für ein Erlebnis. Mit 16 Menschen (18 waren angemeldet, 2 mussten jedoch aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen), einem 32-Plätzer Reisebus, Kacha dem Fahrer, Wacho und ich als Reiseleiter – durch den Kaukasus touren. Pfarrerin Monika Götte aus Stäfa-Uerikon, Schweiz, hatte uns ausgesucht, um mit ihrer Kirchgemeinde Georgien zu entdecken.

Das war eine grosse Chance zu beweisen, dass wir was können. Die Aromen Wacho der Georgier, Brigitte die Schweizerin und Kacha, der mit seinem Reisebus auch durchaus mal off-road fährt, um reizvolle Orte zu erreichen – haben, so bekamen wir Rückmeldung von der Gruppe, ein ungewöhnlich reizvolles Bouquet hervorgebracht.

Ein Bouquet, das vielleicht unter anderem daraus entstand, dass wir uns von uns selber leiten liessen bei der Gestaltung des Raumes zwischen den Dingen und Orten, die man selbstverständlich gesehen haben soll. Ganz vorbildfrei in Bezug auf Gruppenreisen, nahmen wir die Gruppe an Orte mit, die uns selber am Besten gefallen. Dort sind Menschen, dort ist Natur, dort spielt sich das Georgien ab wie es ist, jenseits der eher anonym schönen Hotels, in denen unsere Gäste schlafen.

Und es ist uns wichtig, auch wenn es eine grössere Gruppe ist, die Möglichkeiten und Bedürfnisse der einzelnen TeilnehmerInnen zu berücksichtigen. Wer z.B. gut zu Fuss ist, macht eine längere Wanderung mit Wacho, mit mir sind jene unterwegs, die nicht so schnell vorwärts kommen (wollen). Eine Gruppe ist für uns kein anonymes Rudel und von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzen wir auch nicht. Ferien sind da zum Geniessen, Raum für eigene Unternehmungen haben ihren Platz. Und natürlich bremsen Georgiens gute Küche, sein vorzüglicher Wein und Tschatscha (Grappa), den Genuss und die gute Laune einer Reisebande keineswegs.

Vielen Dank Monika Götte, vielen Dank der Kirchgemeinde Stäfa-Uerikon. Ihr seid super.

 

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Stromableserin auf Tour

Monatlich liest sie an den Freiluft-Stromzählern die Zahlen ab. Der Saburtalohügel ist oben mehrheitlich von EinwanderInnen aus Aserbaidschan bewohnt, man spricht Georgisch, es ist nicht die erste Generation. Die Strässlein gehen zum Teil steil rauf und die Häuser sind eher einfach. Ich mag es sehr, abends durch diesen Quartierteil zu spazieren. Kinder spielen vor den Häusern, Männer versammeln sich zum Domino oder einfach zum Zungekratzen, wie das Tratschen hier genannt wird, Frauen sitzen vor den Eingangstoren und schauen, dass die Kleinsten nicht verloren gehen. Gestern war es aber noch nicht Abend, sondern später Nachmittag und die Stromableserin war an der Arbeit

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