Das geht nicht. Nicht erlaubt. Und viel zu gefährlich. Trotzdem hat mich Wacho am letzten Sonntagmorgen zur Marschrutkastation gebracht, wo’s Richtung Osten geht. Drei Tage allein wandern, das war mein Wunsch. Der übliche ÖV-Kleinbus (Marschrutka) war nicht da, dafür ein PW, der für ein paar Lari noch einen Platz frei hatte. Rein gesessen und ab die Post. Bis Gurdschani (Gurjani), zur Abzweigung Richtung Süden, David Garedscha (Gareja). Ja, nochmals das Udabnogebirge. Diesmal wirklich ganz zu Fuss, von Anfang an.

An den Häusern, die von Gurjani in die Iori-Ebene führen, war ich bis jetzt immer vorbei gerauscht, jetzt hatte ich Zeit zum Güggele und Staunen. Langsam ist schön. Und ich merkte, dass sich die Ebene ganz schön zieht –


Die Strasse war nicht stark befahren. Mein Anblick mit Rucksack musste ungewöhnlich gewesen sein, denn oft hielt man ungefragt neben mir oder auch wenn ich weiter im Feld war. Ob man mir helfen könne? Ob alles in Ordnung sei? Ein Stück mitfahren? Lange wehrte ich dankend ab, bis ich merkte, dass ich niemals beim Dorf Udabno, dem geplanten Übernachtungsort, ankommen würde mit meiner Spaziererei. So kletterte ich denn bei Gio, dem Lastwagenfahrer aus Gurjani, ins Führerhäuschen. Er war mit einer Ladung Beton unterwegs, und ich stieg wieder aus, als er von der Hauptstasse abbiegen musste.

Davon gibts im Moment im Süden Georgiens viele. Da der Grosse Kaukasus noch verschneit ist, weichen die Hirten mit ihren Schafherden nach Süden aus. Vor den Hunden wurde ich immer wieder gewarnt und ich begegnete ihnen mit Respekt. Diese zwei leckten mir nach kurzer Zeit die Hand und fanden mich dann nicht mehr interessant. Bei den zwei Bauernhöfen, die ich passieren musste, nachdem ich bei Gio ausgestiegen war, wurde es jedoch einigermassen brenzlig. Ein fetziges Bellen und ein tiefes, röhriges Knurren aus tiefster Seele kam von der Seite immer näher, drei Stück und Brigitte, die den Blick vor sich auf die Strasse heftete und einen Schritt nach dem anderen machte. Mein Atem war laut, aber keine beklemmende Angst. Nach wenigen Sekunden war es zu Ende und sie zogen ab. Uff.
Die Ebene war überstanden und es ging aufwärts in die Weiten des Udabnogebirges

Nicht gut sichtbar, aber der weisse Streifen unter dem Himmel sind die Schneespitzen des Grossen Kaukasus im Norden!

Am zweiten Tag traf ich zwei Schafherden, deren aserbaidschanische Hirten ohne Hunde unterwegs waren. Ei, das war schön, Teil des bläkenden Rummels zu werden! (klick in die Bilder, dann hast Du sie gross).
Für genau diese delikate Farben liebe ich das Udabnogebirge. Ich wanderte lange auf dieser Hochebene, ohne einer Menschenseele zu begegnen

Und war dann doch froh, als mich plötzlich Motorengeräusch aus einer selbstvergessenen Pause aufwirbeln liess. Ein russisches Pärchen, das von Moskau mit dem 4×4 nach Georgien kam, geriet dank ihrem phantasievollen Navi auf diesen Weg. Was für eine Überraschung im Niemandsland eine Schweizerin aufzulesen!
Wieder Zivilisation. Der Jandarasee als Abschlussbouquet, seine Mitte birgt die Grenze zwischen Georgien und Aserbaidschan. Hier gäbe es viele seltene Vögel zu beobachten, ich las einen Bericht von finnischen Vogelkennern, die letztes Jahr hier waren.



Zivilisation ja, Tourismus nein. Als ich Ranes, der an der Strasse stand, nach einem Familien-Guestouse fragte, wusste er darauf keine Antwort. Er bat mich in seinen Garten und rief seinem Sohn, der Englisch könne. Es brauchte kein Englisch. Als seine Frau Chito lächelnd aus dem Haus kam, war klar, dass ich bei ihnen übernachten werde. Wie wunderbar unkompliziert. Die drei Tage haben sich gelohnt! Reich beschenkt kam ich nach Hause.