Stromableserin auf Tour

Monatlich liest sie an den Freiluft-Stromzählern die Zahlen ab. Der Saburtalohügel ist oben mehrheitlich von EinwanderInnen aus Aserbaidschan bewohnt, man spricht Georgisch, es ist nicht die erste Generation. Die Strässlein gehen zum Teil steil rauf und die Häuser sind eher einfach. Ich mag es sehr, abends durch diesen Quartierteil zu spazieren. Kinder spielen vor den Häusern, Männer versammeln sich zum Domino oder einfach zum Zungekratzen, wie das Tratschen hier genannt wird, Frauen sitzen vor den Eingangstoren und schauen, dass die Kleinsten nicht verloren gehen. Gestern war es aber noch nicht Abend, sondern später Nachmittag und die Stromableserin war an der Arbeit

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Von Ärztinnen und Banken

Ich fühlte mich hier von Anfang an gut aufgehoben. Zwei Orte jedoch, an welchen ich mich jedesmal mutterseelenallein und verlassen bis zu den Tränen fühlte, waren die Arztpraxis und die Bank. Ich verstand nicht und fühlte mich nicht verstanden. Selbst im anthroposophischen Praxishaus, zu welchem ich von der Schulmedizinärztin mit wehenden Fahnen flüchtete, fühlte ich mich noch vor einem Jahr während eines Ultraschalls zitternd verlassen. Ich war gestern wieder dort.

Zehn Minuten vor meinem abgemachten Termin rufe ich die Ärztin an und informiere sie, dass ich erst eine Stunde später kommen kann. -Kein Problem, komm eine Stunde später. An der Rezeption werde ich mit dem Vornamen begrüsst und gleich zur Ärztin geschickt. Sie hat Zeit. Wie’s mir gehe? In zwei kurzen Sätzen fasse ich die positive Situation zusammen. Oh, sie habe Gäste aus der Schweiz gehabt und habe mit ihnen eine kleine Tour ans Meer gemacht – ich bekomme viele wichtige Informationen zu schönen Stränden, dann gings weiter nach West- und Ostgeorgien – am Schluss habe ich viele Notizen, den Namen von einem Botaniker und Bergsteiger und den Namen von einem Spezialisten für Wildvögelbeobachtung. Wunderbar. Ihre Erlebnisse und meine haben sich während des Erzählens ineinandergeflochten. Ich lenke das Gespräch auf meinen Körper, deswegen war ich eigentlich da. Kurze Anmerkung, Anna* spricht fliessend Deutsch, sie war schon oft in Arlesheim, der Anthroposophenhochburg, und hat vielleicht auch in Deutschland einen Teil ihres Medizinstudiums gemacht. Ich weiss es nicht genau.

Sie begleitet mich zur Frauenärztin, Manana*, die nur georgisch redet. Natürlich tausche ich mich mir ihr aus, aber es ist begrenzt und ich bin froh, dass Anna genau übersetzen kann. Das ganze Programm, und wir sind beim Ultraschall angelangt. Es geht dafür wieder in ein anderes Zimmer, denn für den Ultraschall gibt es eine Spezialistin. Wie vor einem Jahr sind drei Frauen neben mir. Die Ultraschallfrau sitzt neben mich aufs Untersuchungsbett und mein aufgestütztes Knie lehne ich diesmal einigermassen gemütlich an ihre Schulter. Die drei schauen in den Bildschirm und ich höre Georgisch, das ich teils verstehe und teils nicht verstehe, Ana übersetzt das aus ihrer Sicht Wichtige. Mein Körper blieb warm. Ich begann nicht zu zittern und die Anwesenheit der drei Frauen war für mich angenehm. Ui, schön. Und wisst Ihr was?

Bei der Bank letztes Mal ging es auch ganz gut. Es ist zwar dort viel formeller, aber ich kenne mittlerweile die Abläufe und wir kennen uns langsam.

Zwei Jahre Georgien sind halt doch zwei Jahre Georgien.

*die Namen entsprechen nicht der Realität

 

Impressionen vom Anthroposophischen Therapiehaus, Tbilisi

Tschemi bednieri Otschachi

Meine glückliche Familie, heisst der Film übersetzt. Er war diesen Winter an der Berlinale zu sehen und sollte jetzt im Sommer in die deutschsprachigen Kinos kommen. Der Nighttalk an der Berlinale mit dem georgisch-deutschen Paar Nina Ekvtimishvili und Simon Gross (Drehbuch und Regie) lässt Dich darüber das Wichtigste in Kürze wissen

Ich hoffe, der Film schaffts auch in die Schweiz? Mehr Hintergrundinfo unter http://www.augenschein-filmproduktion.de/de/filme/detail/meine-glueckliche-familie.html

Sehen und erleben

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Die Renovation unseres Treppenhauses, ich berichtete darüber hier, ist schon seit einiger Zeit abgeschlossen und ich erfreue mich daran jeden Tag. Eindeutig, es entspricht nicht westlichen Massstäben, jedoch: ein einziges Kunstwerk. So viele Details gibt es zu bestaunen. Jedes Kabel frei nach der Intuition des Handwerkers über die Mauer gezogen; die Kabel kreuzen sich, gehen ihre Wege, verschwinden in der Wand und werfen bei Licht zittrige Schatten. Jede Leitung ein Unikum. Unser Treppenhaus böte Fläche für neue Eingriffe, weiterführende Ideen.

Ich, die ich grade aus Zürich zurück gekommen bin. Zürich, mit seinen geraden Linien, den durchdesignten neuen Häuserfronten. Als Mensch fühlte ich mich davon so abgenabelt. Da wünschte ich mir z.B. ein paar anthroposophische Häuser dazwischen. Ungerade Winkel, Kurven, Häuser, die überraschen. Wo sind sie bloss geblieben? Das aktuelle Design, bzw. die urbane Zürcher Architektur hat für mich die Tendenz zum Einheitsbrei zu verkommen

Aber auch diese Perlen hab ich gesehen
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Auf dem Weg zum Albisriederplatz – ei, war das schön, wieder mal mit dem Velo durch die Stadt zu mäandern! Meine wunderbare Gastgeberin Nicole wohnt in dieser Gegend.

Grad an der Bahnhofstrasse, vor dem Globus
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dann Basel – mit dem Vater den Zolli (wieder-)entdecken!
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Und hier, in den Garten von Frau Meyer gespienzlet, auf dem Weg zum Elternhaus
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Geografisch nicht im selben Kontext, zum Bereich der Perlen gehört es jedoch unbedingt – danke, Susanna!
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