Am letzten Samstag waren nationale Parlamentswahlen, der Tag wurde zum offiziellen Feiertag erklärt. Ich begleitete meine Schwiegereltern zum Schulgebäude, das für unser Quartier als Wahlort diente. Es war zum Vornherein nicht klar, ob ich ins Gebäude reingelassen würde, aber das war kein Problem.
Die im grünen Gilet sind nicht etwa medizinische Assistenten, sondern WahlhelferInnen (sorry, das Foto ist nicht scharf, ich wollte keine Aufmerksamkeit erregen und liess mir darum nicht genug Zeit). Ich durfte nicht weiter gehen als zu diesem Standort. Für die nächste Phase, nämlich das Wahlzettelausfüllen, muss man eine Einladung und dazu passende ID haben, plus werden die Daumenspitzen mit einer Lampe kontrolliert, ob man nicht schon woanders wählen war: Nach der Wahlabgabe werden die Daumen mit einer Flüssigkeit angepinselt, die wiedererkennbar ist.

Nun, der Georgische Traum hat haushoch gewonnen mit fast 49%, gefolgt von der Oppositionspartei, der Nationalen Bewegung mit 27%. Von den 23! anderen Parteien, die sich ebenfalls an den Wahlen beteiligten, schaffte nur Die Allianz der Patrioten Georgiens die 5% Hürde ganz knapp im ersten Wahlgang.
Dem Georgischen Traum wird von verschiedenen Parteien Wahlfälschung vorgeworfen – die internationalen Wahlbeobachter sind jedoch der Meinung, dass alles mehr oder weniger ok war. Es gab eine Schlägerei im Süden gegen die Grenze zu Aserbaidschan weil jemand die Wahlurne stahl – Dank unserem Freund und Helfer, der Polizei, kam sie aber wieder an ihren Platz, und an anderen Orten wurde die Urne geöffnet um unpassende Papiere rauszufischen – aber eben, alles in allem verlief es, wie es heisst, gut und ruhig. Und das, obwohl die Nationale Bewegung im Vorfeld zur Revolution aufgerufen hatte! 😉
Über die Stimmbeteiligung weiss ich im Moment nichts genaues. Viele gingen nicht wählen, weil für sie seit der Unabhängigkeit im 1991 das ewig gleiche Theater stattfindet. Der Georgische Traum kann jetzt fast ungehindert die nächsten vier Jahre zeigen, was in ihm steckt. Wir lassen uns gerne positiv überraschen.
Ansonsten war es ein schöner warmer Tag, und vor dem Schulgebäude gab es Zeit und Musse für den einen oder anderen Schwatz


