Zwei Gesichter

In Georgien, das im 4. Jhdt offiziell christlich wurde, haben 13 asyrische Mönche im 6. Jhdt die Klosterkultur eingeführt. Ausserhalb von Tiflis, ganz in der Nähe der früheren georgischen Hauptstadt Mzcheta, lebten sie zusammen auf einem Hügel, dem heutigen Sedasenikamm. Mit der Zeit suchte sich jeder Mönch seinen eigenen Weg, um die Menschen in ihrem Glauben unterstützen zu können. So entstanden in Zentral- und Ostgeorgien 13 Kloster, die erhalten geblieben sind und heute, nach der Sowjetzeit, wieder sehr lebendig sind.

Kürzlich waren wir auf dem Sedasenikamm, dort wo Johann Sedaseni, der Anführer der 13 asyrischen Väter, wie sie heute genannt werden, lebte und wirkte. Zwei Gesichter!

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(Georgische BesucherInnen)

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Von der Klosterkirche aus dem 8. Jhdt (ein Kirchenoberhaupt liess sie rund 200 Jahre nach Sedaseni bauen), zu den Squattern! Nun, illegal hat da eine neue Generation Mönche den Platz bestimmt nicht in Beschlag genommen, aber der improvisierte Shaby Schick erinnerte mich an besetzte Areale in der Schweiz, die Ikonen ausgenommen 🙂
Auch als ich auf das historische Areal des Klosters Sedaseni kam, hatte ich einen Flashback – das Tessin! Schön finde ich, dass die Klosterszenerien hier immer in Bewegung sind, man spürt und sieht, dass gebaut, verändert und gestaltet wird

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Für schöne Aussichten scheinen die meisten syrischen Väter ein Faible gehabt zu haben, denn von ihren Orten, für die sie sich oft erst nach langer Wanderschaft entschieden, ist die Sicht meist umwerfend. Ganz links oben im Bild der Tiflis See, hätte nie gedacht, dass man den von Sedaseni aus sieht… (Nachtrag: ich wurde darauf hingewiesen, dass die Lage der Klöster weniger mit einem Faible für schöne Panoramen zu tun gehabt habe, sondern viel mehr damit, dass die Orte schwer zugänglich sein mussten, um sich vor feindlichen Übergriffen zu schützen!)2016-09-25_12-24-51

Ah ja, und das Eisengestänge im Hintergrund war übrigens nicht ein Hochleistungsstrommast, sondern
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Politika und Gestein

Erkältet und darum reduziert –

In zwei Wochen sind hier Parlamentswahlen und es scheint, dass die aktuell grösste Partei im Parlament „Sakartvelos Ozneba“ (Georgischer Traum), sich wieder wird durchsetzen können. Die letzten vier Jahre hat sie in einer Koalition mit vielen kleinen anderen Parteien regiert. Diese Koalition hat sich jedoch vor zwei Monaten aufgelöst, alle beschuldigen jetzt alle unlauterer und unsinniger Machenschaften. Es scheint, dass die kleinen Parteien die Grosse diskreditieren wollten, um bei den kommenden Wahlen besser abzuschneiden. Der Schuss könnte jedoch leicht nach hinten los gehen, denn wer vier Jahre lang das Regierungsgeschehen mitträgt und erst am Schluss den Mund aufmacht, ist auch nicht glaubwürdig.

Die „Nationale Bewegung“ ist Oppositionspartei im aktuellen Parlament mit 63 von 150 Sitzen. Sie war nach der Rosenrevolution von 2004 bis 2013 massgeblich an der Macht beteiligt, bzw. führend. Sie scheint keine reellen Chancen auf einen grossen Wahlerfolg zu haben. Was die in der zweiten Amtszeit von 2008-2013 in Bezug auf Menschenrechte boten war zu desaströs, als dass das schon vergessen wäre. Aber schauen wir.

Ehrlich gesagt, die Natur hier finde ich viel erquickender als die Politik. Wir suchten vor zwei Wochen in der Birtvisi-Schlucht südlich von Tiflis die Überbleibsel einer alten georgischen Festung aus dem 9. Jhdt – erfolglos! Auch eine andere Wandergruppe, die wir auf dem Rückweg trafen, wurde  nicht fündig. Wanderwegzeichen sind hier eher selten – der abenteuerliche Aufstieg durch die Schlucht, es hat in diesem Gebirge eine Unmenge von Schluchten – lohnte sich allemal. Die Aussicht auf die wunderlichen Gesteinsformen machte Spass. Wobei mir immer noch nicht klar ist, ob das jetzt Vulkangestein oder Kalkgestein ist, die Meinungen im Internet sind da sehr verschieden. Vielleicht ist jemand von euch Spezialist?

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Flora im Kaukasus

Nachdem ich diesen Sommer endlich ein Buch mit Abbildungen und wissenschaftlichem Beschrieb der Gebirgsflora und Bäume im Kaukasus gefunden habe, bin ich jetzt im Stande, meine Blumenfotos definieren zu können. Super!

Die Vielfalt der Flora ist beachtlich. Georgien hat viele endemische Pflanzen, solche, die nur hier anzutreffen sind. Nach dem was ich gelesen habe, wird die Vielfalt hergeleitet durch den Umstand, dass vor rund einer Million Jahre ein tropisches Klima herrschte, mit den dazugehörigen Pflanzen. Während die meisten damaligen Pflanzenarten im euro-asiatischen Raum die spätere Kältezeit nicht überlebt haben, fanden einige ein geschütztes Plätzchen in Georgiens Bergschluchten, dessen Kolchis-Tiefebene und in der östlichen Kaukasischen Senke. Frostresistente Pflanzen mischten sich in der Folge über die Jahrtausende mit den bereits bestehenden. Et voilà. So sollen hier z.B. von weltweit 19 Schneeglöckleinarten acht allein in Georgien beheimatet sein.

Mit Schneeglöcklein kann ich im Moment nicht dienen, aber mit der Charadzes Glockenblume, die ihr ein wenig ähnlich sieht. Sie blüht von Juli bis Sept. und ist exklusiv im Nordost-Kaukasus zuhause. Entdeckt hab ich sie letzten Sonntag auf der abenteuerlichen Wanderung in einer Schlucht südlich von Tiflis
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Ganz anderer Art ist diese Dame, sie heisst Zurückgekämmte Flockenblume und kommt für mich persönlich nicht flockig daher, aber das ist wohl Ansichtssache, bzw. hat wohl biologisch-wissenschaftliche Gründe. Sie blüht von Juni bis August und ist gerne an steinigen Hängen bis 1100m anzutreffen. Die Stachligschöne lebt im Kaukasus und im kurdischen Gebiet, das an Armenien grenzt.
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Nun ein Schmetterlingsblütengewächs, der Swanetische Ginster, den soll es einzig und allein in Westgeorgien geben. Wobei er auch in Zentralgeorgien, rund um Tiflis im Juni grossflächig anzutreffen war
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Ansonsten bin ich daran unsere Georgien W&B Tours website zu erweitern – auch eine Pflanze, die wachsen will und sich den sich ändernden Begebenheiten anpasst. Zum aktuellen Wetter ist dieses Jahr zu sagen, dass es sich passgenau ab 1. September um einige Grad abgekühlt hat. Höchstwerte liegen jetzt bei 30°, es ist wieder schön auf dem Balkon in die Sonne zu stehen und die Wärme zu geniessen. Und jetzt regnet’s grad – Grüsse!

Schwarzes Meer und Schweizer Jodel

Am letzten Wochenende waren wir in Gurien, einer Region mit Meeranschluss
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Der Strand hat dunklen Sand von dem gesagt wird, er habe magnetische Strahlung und sei heilend für Entzündungs- und Schmerzkrankheiten. Ägypter, Griechen und indische Yogis hätten davon medizinischen Gebrauch gemacht. Als wir an den Strand gingen wussten wir davon noch nichts, aber interessanterweise lagen sowohl Wacho als auch ich direkt in den Sand und genossen es sehr.
Mensch und Tier teilten sich die Erholungszone

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Am Abend war die Abschlussgala des International Black Sea Folk Festivals, der Auslöser unseres Ausfluges. Der Auslöser, weil die Schweiz auch dabei war und es in der glamurösen Black Sea Arena stattfand, die diesen Sommer eröffnet wurde.

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Bidzina Iwanishvili, georgischer Geschäftsmann und Premier Minister der Übergangsregierung 2012/13, hat die hochmoderne Show-Arena Georgien geschenkt. Sie wechselt nicht nur ihre Farbe, sondern die Lamellen sind auch beweglich, genau so wie das Dach, das ein Amphitheater entstehen lassen kann, oder aber das Publikum vor Regen und Sonne schützen. 10’000 Menschen nimmt es auf.

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Die Entrittspreise waren tief, so dass alt und Jung das neue Werk erleben konnten. Auch wir haben davor posiert.
20160903194525Geladene Gäste am Festival waren Italien (Sardinien), die Türkei, England und eben die Schweiz. Es ging um Musik und Tanz – leider kamen die Gäste nur je zu einem Auftritt, während Georgien von sich selbst mehrere sehr eindrückliche Facetten zeigte. Der Auftritt der Schweizer war wunderbar bescheiden und sehr gelungen. Ein Chor von je zwei Frauen und Männern sangen ein sehr harmonisches, ja geradezu sanftes Jodellied. Viel Applaus bekamen sie – bravo! – das mit dem Verbeugen klappte jedoch noch nicht so, sie liefen dem Applaus einfach davon. Sich feiern lassen, heisst nicht unbescheiden sein…!

Schön wars allemal, auch wenn mir die Super-Arena klangtechnisch nicht über alles erhaben schien. Hier noch ein Foto vom Balkon unseres Hotels, bevor dann am nächsten Morgen der Donner krachte und es gut regnete.

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Altes Tiflis

Ich meine wirklich alt, die vorletzte Jahrhundertwende. Letzten Samstag half Wacho seinem Schwager Holz für den Winter ins Wochenendhaus zu bringen, und ich hatte Zeit, in aller Ruhe das historische Museum zu besuchen, welches in einer ehemaligen Karawanserei (Übernachtungs- und Handelsort für durchziehende Handelsleute zur Zeit der Seidenstrassen). Vom letzten Mal hatte ich Bilder im Kopf, die ich unbedingt wieder sehen wollte. Von einem Tiflis, das mich an Venedig erinnerte, mit viel Wasser und Kanälen.

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Zu Beginn des 20. Jhdts unterstützten die Belgier Tiflis, Trams im ÖV einzuführen.

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Oben auf dem Hügel die Metechi Kirche, die Teil des Schlossareals war, das drum herum sichtbar ist. Zu dieser Zeit waren die Gebäude des einstigen georgischen Könighofs jedoch von den Russen bereits in ein Gefängnis umfunktioniert worden.

1918 wurde die erste Georgische Republik konstituiert, welche jedoch drei Jahre später von den Russen bereits wieder verunmöglicht wurde. Zu meinem Schweizer Erstaunen waren im damaligen Parlament fünf Frauen.

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Aus georgischer Sicht verkennen EuropäerInnen die Stellung der Frau in ihrer Gesellschaft völlig. Prominent wird Königin Tamar genannt, die in georgiens Goldenem Zeitalter, 11./12. Jhdt, z.B. die Todesstrafe abschaffen liess, Gerichte erschuf, gegen dessen Entscheide auf höchster Ebene Widerspruch eingelegt werden konnte, und Wissenschaft und Kunst förderte, wie Europa das erst mit der Renaissance, Rund 400 Jahre später erlebte.

Und hier ein Ausschnitt von Tiflis wie es heute u.a. daherkommt, mit den modernen baulichen Eingriffen der Präsidentschaft Saakishvilis (2003-2012), welche umstritten sind

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