Heute durfte ich mich wieder über einen Feiertag freuen. Diesmal war’s aus Ost-Sicht der Sieg über die Deutschen im 2. Weltkrieg. Ich habe mal gelernt, dass es ein Sieg der Alliierten war – und für mich waren die Alliierten westlich. Für den Osten jedoch hat die Sowjetunion gewonnen. Weil mich diese verschiedenen Interpretationen stutzig machten, hab ich nachgelesen: Aha, zu den Alliierten gehörte durchaus auch die Sowjetunion. Jetzt weiss ich natürlich nicht mehr, ob in der Schule die Sowjetunion damals mit erwähnt wurde und mein Hirn das mit der Zeit wegsiebte, weil mir die USA und England geläufiger waren – oder wie.
Tatsache ist, dass auch im Osten der Fächer nicht so breit aufgespannt wird und man der Einfach- und Klarheit halber am besten einfach sich selber feiert. Was jedoch in Russland, genauer in Moskau, als grosses Volksfest (es wurde auch um die vielen Toten getrauert) mit Militärparade und allem drum und dran gefeiert wurde, war in Georgien mit einem offiziellen Gedenkakt beim Denkmal der Namenlosen Sowjetischen Kriegsgefallenen bereits erledigt.
Während des 2. Weltkriegs wurde das Territorium Georgiens kaum tangiert. Nur in Abchasien drangen die Deutschen ein, wurden aber wieder zurückgedrängt. Rund 700’000 Georgier kämpften damals in den Reihen der Roten Armee. Auch für Deutschland kämpften Georgier, jene die sich, ab 1921, dem Einmarsch der Russen in Georgien, nach Deutschland abgesetzt hatten. Das waren rund 30’000. Es war abgemacht, dass wenn Deutschland den Krieg gewinnen würde, Georgien wieder unabhängig werde.
Warum werden Kriege als so wichtige Ereignisse gefeiert bzw. behandelt? Das viele Konstruktive, das in der Welt geschieht, sollte einen weit höheren Stellenwert haben. Wir haben uns auf der Werteskala verirrt.