Ich bin begeistert

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…von den Formationen, die sich unter unserem Küchenfenster abspielen.

Letzten August wurde der Strassenbelag unseres Gagarini-Platzes und der Zufahrtstrassen aufgerissen und abtransportiert. Ein Riesenlärm, Gestank und Staub ohne Vorankündigung, es wurde nur in der Nacht gearbeitet, tagsüber waren die Strassen offen. Warum diese Arbeiten gemacht wurden weiss niemand, der alte Strassenbelag war noch ganz ok. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass in Georgien mit dem Strassenbau viel Geld gut an trockene Örtchen verschoben werden kann.

Tja und dann wurde stückchenweise wieder drüber asphaltiert. Der Parkplatz ist noch im Rohzustand und ganz besonders gefällt mir dort eine Insel von 3 auf 4 Metern, dort stand während der Arbeiten immer ein Trax. Der alte Strassenbelag blieb dort erhalten. Na, die Insel wird wohl unkompliziert integriert werden bei der Asphaltierung des noch offenen Parkplatzspitzes. Wenn die dann mal stattfindet. Vielleicht nächsten Sommer?

Lelo – Rugby

Gestern haben die Rugby-Weltmeisterschaften in London begonnen. Für mich überraschend, ist Georgien ein begeistertes Rugby-Land. Die U18 Nationalmannschaft verpasste letztes Jahr nur ganz knapp den Weltmeistertitel ihrer Kategorie.

Wie kam Georgien zum Rugby? Durch die Engländer nicht, mit denen hatte Georgien nie die Ehre. Aber schon im 12. Jhdt wurde in der georgischen Literatur von Lelo berichtet. Ein Mannschaftsspiel mit vollem Körperkontakt, es ging darum, einen eher schweren Ball egal wie hinter die Linie des Gegners zu bringen. Das Spielfeld war manchmal mehrere Kilometer lang und jeder Mann im Dorf wurde aufgeboten. Es ging über Stock und Stein. Auf dem Land wird Lelo noch heute gespielt.

Zum Rugby kamen die GeorgierInnen in der Sowjetzeit. Lelo wurde standardisiert und die internationalen Rugby-Regeln fanden Eingang ins Mannschaftsspiel. Im letzten Juni war ich beim Freundschaftspiel Georgien-Uruguay live dabei. Ein Ereignis für Kind und Kegel, es war eine lockere Atmosphäre. Eingangs wurden traditionelle Tänze und Kämpfe mit und ohne Schwert aufgeführt, begleitet von georgisch-traditionellen Volksklängen. Es gibt hier übrigens auch Frauen Rugby-Mannschaften.

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Tschukotka

Die unten erzählte Geschichte machte mich neugierig, wie es denn im Gebiet der Tschuktschen, nord-östliches Sibirien, aussieht. Hier ein paar Bilder, die ich im Netz gefunden habe:

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2 Nach der Krise der 90er Jahre hat sich der Hafen am Pazifik gut entwickelt, wenn er auch nur im kurzen Sommer angelaufen werden kann. Über ihn wird unter anderem Erdgas exportiert.
Ich fand es eigenartig, dass in diesem Gebiet jemand Arbeit suchte, die Jahresdurschnittstemperaturen liegen doch zwischen -5 und -10°. Ich liess mich aufklären, dass die Leute damals dort gut lebten. Sie belieferten die Sowjetregierung mit Rentierfleisch und Fellen, Wale und Seelöwen wurden ebenfalls gejagt. Die Regierung bezahlte satte Löhne, weil die Lebensbedingungen hart waren. Am meisten Geld wurde mit Goldminen verdient, dies wurde jedoch nicht von den indigenen Völkern initiiert. So kann ich mir jetzt also gut vorstellen, warum Giorgi, der Mingrele, in diesem äussersten Zipfel Russlands unterwegs war. Dort ist übrigens auch die Grenze zu den USA, östlich von Tschukotka beginnt Alaska (dies gehörte auch mal zu Russland, wurde aber aus strategischen Gründen 1867 an die USA verkauft).

Der Englischlehrer

Folgend eine wahre, vom vielen Erzählen wohl gut gerundete Geschichte aus den 70ern, zu Sowjetzeiten.

Wir befinden uns im tiefen nord-östlichen Sibirien (Tschukotka), wo bis in die 80er Jahre bis zu 2000 km grosse Gebiete weder Verbindungsstrassen noch Eisenbahnen hatten. Die einzige Verbindung nach aussen waren Helikopter, die von Zeit zu Zeit propagandistische Zeitungen abwarfen und Grundnahrungsmittel.

Ein Mingrele (West-Georgien, siehe Blog-Beitrag „Schwarzes Meer“), war dort zu Fuss unterwegs, auf der Suche nach Arbeit, von Dorf zu Dorf. Eines Tages begegnete ihm ein Rentierhirte, der glücklich die Hände zusammenschlug, als er ihn sah: „Du musst der Englischlehrer sein, auf den sie im Dorf schon seit zwei Wochen warten!“ Giorgi, so hiess der Mingrele, liess sich vom Hirten zum Dorf führen, wo er herzlich begrüsst wurde. Es wurde ihm eine kleine Wohnung zugewiesen, man zeigte ihm die Schule und schon bald begann er zu unterrichten. Fünf Jahre waren vergangen, als es eine seiner Schülerinnen schaffte, sich für ein Sprachstudium in Moskau anzumelden. Nach langer Reise kam sie in Moskau an und wurde an der Uni auf ihr Sprachniveau geprüft. Die Leute schauten sich verdutzt an. Was dieses Mädchen wohl für eine Sprache rede? Also Englisch konnte es nicht sein, da waren sich die PrüferInnen einig. Es wurden Nachforschungen angestellt und es kam heraus, dass die Kinder im Dorf nicht in Englisch unterrichtet wurden, sondern – Mingrelisch.
Giorgi bekam eine Haftstrafe von 8 Jahren.

Work

Letzten Montag habe ich meine Arbeit wieder begonnen. Wobei diese Woche offizielle Einführung ins Study Counselling für die USA war. Zwei junge Amerikanerinnen, die gerade ihren Bachelor abgeschlossen haben, waren auch dabei. Ich schwamm anfangs sehr, als wir übungshalber für z.B. eine georgische Studentin, die schulisch sehr gut ist aber kein Geld hat (und umgekehrt) 15 passende Unis suchen mussten. Es gibt deren rund 4000 in den USA… Mittlerweile finde ich mich bereits einigermassen gut zurecht und bemerke, wie stark StudentInnen in Europa auf sich selbst gestellt sind. Äne am Deich leben meist alle miteinander auf dem Campus und haben Rundumversorgung.

Am Schwarzen Meer

Ei, wie friedlich in diesem Wasser zu baden. Ideal fuer alte Leute und Kinder, das Wasser wurde lange nicht tief

Zum Abschluss unserer Reise genossen wir das warme Wasser vom Schwarzen Meer. Ich schwamm noch in keinem Meer, das so warm war. Von Mestia, nah der russischen Grenze in den hoechsten Bergen, ist man in 2,5 Std. in Zugdidi, der Hauptstadt Mingreliens (Samegrelo). Und von dort sind es nur noch 20 Min. bis zum Meer. Wir uebernachteten im Kuestenort Anaklia, nah der abchasischen Grenze, der seit ein paar Jahren touristisch gepusht wird. Wobei wir dort nur ein paar teure Hotels fanden und einen duerftigen Strand. Am Folgetag fanden wir dann aber weiter suedlich einen inoffiziellen Strand, der uns gut gefiel. Der bekannteste und groesste Badeort an der georgischen Kueste ist Batumi, suedlich gegen die Grenze zur Tuerkei, ca. 1,5 Fahrtstunden von wo wir waren. Ich besuchte Batumi bereits letztes Jahr.

Die Mingrelen sind ebenfalls ein Volk mit eigener Sprache, die muendlich weitergegeben wird. Sie sind ueberzeugte GeorgierInnen und haben ihre eigene Geschichte in der Entwicklung Georgiens seit der Unabhaengigkeit. Im 1993 versuchte der erste Praesident des neuen Georgiens, Zviad Gamsachurdia, der im `92 bereits wieder abgesetzt wurde, mit Hilfe der Mingrelen (er selbst war Mingrele) und Tschetschenen die Macht erneut an sich zu nehmen. Er errichtete in Zugdidi ein Parallelparlament und seine Kaempfer nahmen grosse Teile Westgeorgiens ein. Der Aufstand wurde dann aber von georgischen Truppen mit Hilfe Russlands gestoppt. Es brauchte rund 15 Jahre, bis diese Kraftprobe allseitig verdaut war und die Mingrelen vom dritten Praesidenten, Mikheil Saakashvili (2007-2012), wieder in die Politik geholt wurden.

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Auf der Fahrt durch Mingrelien sind uns am Wegrand viele Schwein(chen), Gaense, Kuehe, Pferde und sogar Flusskuehe begegnet. Viele groessere und kleinere Haselnussplantagen bieten den Mingrelen ein Teil-Einkommen, es war gerade Erntezeit. Auch Tee waechst hier in grosser Menge.

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Okatse- und Martvili-Canyon

Wir fuhren nicht direkt nach Swanetien, sondern besuchten in der Region Imeretien zuerst den Okatse-Canyon und am naechsten Tag den Martvili-Canyon, der nicht weit vom ersten Canyon, in der Region Mingrelien (Samegrelo), liegt. In Imeretien ist die zweitgroesste Stadt Georgiens, Kutaisi, mit ca. 200`000 EinwohnerInnen, 250km von Tiflis entfernt. Das georgische Parlament tagt dort, es gibt eine Uni usw.. Hier eine Landkarte mit den Regionen Georgiens (aufs Bild klicken und es wird gross), wobei Abchasien und Sued-Ossetien mittlerweile nicht mehr dazu gehoeren. Man sieht, dass das ein grosser Territoriumsverlust fuer Georgien bedeutet:

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Die Okatse-Schlucht ist erst seit zwei Jahren fuehr BesucherInnen zugaenglich. Es ist gut gemacht. Am Eingang, wo man die Tickets kauft, kann man an einem schoenen Modell sehen, wo der Besucherweg entlanglaeuft. Als uns erklaert wurde, dass es zuerst 2,6km sind bis zur Schlucht und dann noch 900m der Schlucht entlang, machten wir uns keine grossen Gedanken, auch die Hoehenunterschiede bedachten wir nicht wirklich . So spazierten bei fast 40 Grad leichtfuessig los…

Die Martvili-Schlucht besucht man nicht von oben, man erfaehrt sie per Pedalo oder Schlauchboot. Ueber Jahrhunderte hat sich der Fluss in den weissen Kalkstein gefressen – eine grosse Ruhe geht von diesem Ort aus. Das Wasser ist glasklar und eiskalt.

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